#storytime

Ich treibe mich ja oft auf YouTube rum. Zum Einen weil es einige (wenige!) YoutuberInnen gibt die ich sinnvoll und cool finde und sie gerne verfolge, zum Anderen um einfach zu sehen, was sich vor allem junge Mädchen so auf YouTube anschauen.

Und hinter ein relativ neues Konzept auf YT bin ich immer noch nicht so recht gestiegen. #storytime nennt sich das.
Da erzählen YouTuberInnen schlimme, dramatische, traumatische Geschichten aus ihrem Leben, empören sich, weinen, schreien und geben die tiefsten Tiefen ihrer Seele jedem zum Reinschauen in die Finger.

Geschichten wie: Als mein Freund starb, Ich wurde vergewaltigt, Ich wurde geschlagen, Papa gestorben, Opas Tod hat mich gerettet,…

Ich frag mich, was das bringen soll. Man könnte jetzt mit dem Argument kommen, dass die Jugendlichen denen etwas ähnliches passiert ist, dann offener und besser damit umgehen können und/oder sensibler werden. Das denke ich aber nicht.
Ich finde allgemein diese Entwicklung auf Sozialen Plattformen in Richtung immer extremer, immer sensationeller wirklich wirklich gefährlich!

Vielleicht sollten wir uns öfter damit auseinander setzen was unsere Kinder und Jugendlichen sich im 5 Minuten Takt so rein ziehen und mit ihnen darüber sprechen!

Denn wenn eine Youtuberin ca. 20.000 Abos hat, und von diesen #storytimes lebt, da ein Titel mit „Opas Tod hat mir das Leben gerettet“ viele Klicks, in diesem Fall ca. 800.000 bringt, dann soll sie mir nicht erzählen, es habe einen sozialen oder pädagogischen Mehrwert. Und auch die Youtuber: eure Zuschauer sind keine Therapeuten. Wenn ihr Dinge verarbeiten müsst, die euch wirklich scheiße geprägt haben, dann sucht euch professionelle Hilfe. Das 14 Jährige Mädchen, das vor dem PC sitzt und dank euch schon aussieht, sich kleidet und schminkt, gibt, redet wie eine 20 Jährige mit Minderwertigkeitskomplexen wird euch da nicht viel weiter helfen können.

Natürlich, die Klicks eurem Konto aber schon.

„#storytime“ weiterlesen

Eine Erinnerung für anstrengende Zeiten.

Vor kurzem habe ich den Text „Ich bin müde. Ich möchte Sein“ geschrieben. Der Text kam gut an. Ich habe viele Nachrichten von MuslimInnen und Nicht-MuslimInnen erhalten, die die selben Gefühle und Gedanken teilten und teilen.  Dann habe ich mich gefragt, was ich dagegen tun kann. Gegen dieses müde-sein und das erschöpft-sein, und was wohl Gott im Koran zu und über solche Situationen sagt. Ich bin froh darüber, dass ich den Mut hatte es auszusprechen, dass ich kurz nicht mehr konnte und auch nicht mehr wollte. Ich bin aber noch glücklicher darüber, dass ich den Koran um eine Lösung und um Aufklärung bat, und er sie mir gab, welches ich nun mit euch teilen möchte. 

Es ging darum, dass Angriffe, Beleidigungen in der Gesellschaft gegenüber MuslimInnen immer mehr steigen und somit auch die Trauer und evtl. und verständlicherweise auch die Wut. 

Gott sagt klar im Koran 3:186, dass MuslimInnen an ihrem Gut und mit sich selber, also durch Angriffe, Beleidigungen etc. an sich selbst geprüft werden. Er erwähnt sogar explizit die „verletzenden Äußerungen“ gegenüber den MuslimInnen. Kurz darauf rät er als Reaktion darauf mit: Sabr und Taqwa. Also damit, dass der Mensch aktiv geduldig sein soll. Gott spricht nicht davon, dass still über sich ergehen zu lassen und in seinem Kämmerchen zu sitzen und darauf zu warten, dass es „besser“ wird, wie viele Sabr, also Geduld übersetzen würden. Sabr bedeutet viel mehr noch weiter und vor allem auch gegenüber den diskriminierenden Menschen vorbildhaft und standhaft in seiner Arbeit für das Gute weiterzuarbeiten und gegen den Wind zu halten, mit Taqwa, also gottesfürchtig und verantwortungsbewusst für MuslimInnen und die Gesellschaft in der man lebt! Gegenprovokationen oder gar Angriffe helfen wenig und das lehnt der Koran klar ab! 

Gott sagt klar im Koran 6:33/34, dass Er sehr wohl weiß, dass das Getane und das Gesagte von diskriminierenden und rassistischen Menschen  einen traurig machen und es weh tut. Gott ist einfühlsam und verständnisvoll – Er vergisst nicht, Er verschließt nicht die Augen, Er redet nicht klein. Doch auch hier, nach der Erwähnung vieler Lasten gegenüber der MuslimInnen ruft Er zur Geduld auf. Standhaft und friedlich sollen die MuslimInnen mit solchen Situationen umgehen und sich von vorbildhaften, islamischen Verhalten nicht abbringen lassen. Obwohl viele Menschen gegen Gott selbst arbeiten und Ihn „hassen“ ist er der Allvergebende und gibt den Menschen immer noch, was sie brauchen. Gott und der Prophet dienen uns also hier als Model. Wenn Gott und der Prophet weiterhin gut und vergebend sein konnten und Gott es ist, wieso nicht wir auch? 

15:95-99 spricht er von einem Gefühl das ich sehr oft in solchen Situationen habe. Die Beklommenheit der Brust! Unglaublich. Auch hier noch einmal Trost, Verständnis. Gott weiß, dass du leidest. Doch er schenkt dir Trost im Gebet und im Niederwerfen! Was bedeutet das? Gott ruft zum Niederwerfen auf? Also, überdenke deine Situation! Bist du wirklich so schwach? Oder definierst du das Wort schwach nur nicht im koranischen Kontext? Ist ein Mensch, der den Trost im Niederwerfen vor Gott findet, und sich nur vor Ihm niederwirft wirklich schwach? Schöpfe deine Kraft von Ihm, und setz dich weiter ein für das Gute und den Frieden! 

Gott rät klar dazu, sich nicht  provozieren zu lassen 25:63, 4:140, 6:68, in dem man in einem Kreis in dem es einem zu viel wird einfach kurz oder ganz den Raum verlässt um Streit zu verhindern, und er gibt klar vor nicht zu provozieren und nicht niveaulos zu werden! Er sagt klar und deutlich, dass man sich zurück halten soll, nicht beleidigend werden soll und sich nicht lustig machen soll  6:108. 

Auch im Leben des Propheten finden wir zahlreiche Beispiele in denen der Prophet geduldig, gutmütig und immer vorbildhaft auch mit schwierigen, beleidigenden Personen umgegangen ist. Was mich beeindruckt hat, ist die Macht der Worte, die zur damaligen Zeit verbreitet war. Man hat seinem Unmut mit Worten Ausdruck verliehen und ist so aktiv geworden um auf Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen. Durch Dichtung zum Beispiel. Auch heute, vielleicht besser als nie zuvor, ist dies möglich! 

Wichtig ist, schwach und stark, hoch und niedrig für sich neu zu definieren. Sich nicht schwach oder als Opfer zu fühlen oder anzusehen, denn das ist man nicht als aktiver Mensch der sich immer und überall für das Gute einsetzt mit seinen eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten! Ein Muslim ist ein Mensch, der für das Gute einsteht. Aktiv! Wie Gott es auch Ayyoub befohlen hat: steh auf, tu etwas, komm zu dir! Du bist ein Muslim! 

Die Prüfung kommt nie allein. Sie kommt immer mit der Stärke

Es tut mir leid, syrischer Junge, dessen Namen ich nicht kenne.

Ein junger Mann in Wien, ein geflüchteter junger Mann in Wien spring am hellen Tage vor eine Straßenbahn und schreit dabei. Er legt sich vor die Bahn, die Bahn stoppt, er regt sich darüber auf, schlägt mit voller Wucht gegen die Bahn und schreit: „Komm, komm, komm!“

Als er merkt, der Bahnfahrer wird nicht zum Töten kommen, wie viele andere aus seiner Heimat, laut Medienberichten Syrien, versucht er es auf andere Art und Weise. Er springt vor ein fahrendes Auto. Jemand reißt ihn runter. Er springt wieder auf die Bahn und versucht sich Stromschläge durch die Leitungen verpassen zu lassen, es klappt nicht. Er rennt durch die Gegend und schreit: „Syria! Falastin! Russia nix gut! Ah Syria!“ und viele andere Dinge die ich nicht verstehen konnte. Dieses Bild, am hellen Tag mitten in Wien, wird frecher und meiner Meinung nach unmenschlicher Weise von einer Bürgerin mit türkischem „Migrationshintergrund“ aufgenommen. Hinten dran hört man Menschen türkisch sprechen: „Deli bu yaa!“ „Adam maymun cikti!“

(Die Erhöhung unserer Gastarbeitergeneration + 2. – 4. Generation seiner selbst durch das Leid der geflüchteten Menschen und Sprüche wie: „Wir waren nicht so!“, kotzen mich sowieso an!)

Ich möchte wiederholen: Ein junger geflüchteter Mann aus Syrien verliert die Kontrolle über sich. Er springt am hellen Tage mitten in der Stadt vor eine Bahn, vor ein Auto, wieder auf die Bahn, versucht durch die Leitungen Stromschläge zu bekommen, bis die Polizei anrückt und ihm festnimmt.

Meine Damen und Herren: Am hellen Tage, mitten in Wien, hat sich versucht ein junger Mann, der vielleicht mal Träume hatte, Hoffnungen, vielleicht war er verliebt, vielleicht ging er zur Schule, in die Uni hat eine Ausbildung gemacht – dieser junge Mann wollte sich umbringen. Vor allen Menschen in der Stadt. Und er schrie dabei! Er schrie! Damit wir uns an diesem Video nicht amüsieren und sagen: „Boah krass, voll der kranke Typ“!, sondern endlich mal die vielen Hilfeschreie hören, die wir so gerne bis heute ignoriert haben!

Wir sehen die Bilder, verblödete Politiker nutzen dieses Herz zerreißende Bild um Stimmung zu machen. Die Kommentare auf fb zeugen von Hass unserer Mitmenschen. „Die Bahn hätte einfach weiter fahren sollen“, schreibt z.B. einer. Einige lachen, einige schütteln den Kopf, und einige Weinen, weil sie die Tragik dahinter erkennen.

Was sagt das über unsere Welt aus? Was sagt das über die zig Kriege aus die UNSERE westliche Welt führt und führen muss um sich seiner Macht und Erhabenheit auf zu geilen? Was sagt das über uns aus, dass eine Frau das einfach filmt, statt zu ihm zu gehen, und in die Arme zu nehmen, mit ihm um Syrien, um Palästina und all die anderen Länder zu weinen, und wie es scheint, um seine Eltern und Geschwister zu weinen, die laut Berichten auf fb ums Leben gekommen sind – in Syrien, wie es mir zumute war.

Es tut mir leid, geflüchteter Syrer, dessen Namen ich nicht kenne. Es tut mir Leid, dass wir dir das antun. Es tut mir leid, dass unsere Bequemlichkeit es nicht zulässt auf die Barrikaden zu gehen und zu schreien: „Stop! Dass was ihr macht führt dazu, dass sie nicht nur mehr im Krieg durch eure Bomben, sondern auch in unseren Straßen durch unsere Ignoranz sterben (möchten!). Hört auf! In Gottes oder wessen Namen auch immer – bitte! Diesem Mann könnt ihr seine Eltern und Geschwister nicht mehr geben, aber gebt ihm Liebe und zeigt Verständnis und gebt ihm und Millionen anderen endlich seine Heimat zurück!“

Bitte, es ist unerträglich!

 

Wahrscheinlich wird auch dieses Bild schnell in Vergessenheit geraten, so dass das keine Rolle mehr spielt, und wir uns nur noch mehr an die Situation gewöhnen, bis wieder ein kleiner junge tot am Strand liegt, ein anderer Junge traumatisiert im Krankenwagen sitzt, oder der nächste vor die Bahn springt. Bis wir den nächsten Schock erleiden, und dann drüber hinweg kommen. Denn meine Heizung funktioniert, mein Essen steht bereit, meine Eltern und Geschwister leben – denn mir geht es gut.

Ich bin müde. Ich möchte sein.

Ich bin müde. Ich bin müde von den ganzen „Debatten“, den vielen Begegnungen mit Rassismus, Diskriminierung, Hass und Arroganz.

Um ehrlich zu sein bin ich an einem Punkt im Leben angelangt, in dem ich ernsthaft darüber nachdenke, das Land zu verlassen. Auf lange Zeit.
Eine Woche waren wir im Urlaub. Es war echt schön! Selbst der Burkini am Strand hat keine Sau interessiert. Kaum sitzt man mit Österreichern im Flieger nach Wien möchte die Sitznachbarin ihre Erhabenheit über mich laut stark mir und allen anderen Menschen im Flieger mitteilen, in dem sie versucht mich auf „höfliche“ Art und Weise nieder zu machen. Sie spricht Deutsch und wiederholt alles etwas lauter auf Englisch, damit auch jeder mitbekommt, was ihr nicht passt.
Als mein Mann sie bittet, ihren Rassismus bis zur Landung abzuschalten, da wir noch im Urlaub waren, argumentiert sie mit:
„Ich bin nicht rassistisch, mein Name ist Laila. Nur weil Sie in einem fremden Land leben brauchen Sie nicht dauernd denken, jeder sei Ihnen gegenüber rassistisch.“ Sie forderte eine Entschuldigung, die sie nicht bekam.
Meine Gute, dein Name, auf den du kein Einfluss hattest mag zwar schön sein, das bringt dir aber herzlich wenig, wenn dein Geist auf den du Einfluss hast, schmutzig und unschön ist.
Ein Tag später, heute, hatte ich das erste Mal Angst auf dem Straßen. Der Aufruf auf „Nazi-Gruppen“, jeder Muslima mit Kopftuch eine rein zu hauen, hat auch mich nicht kalt gelassen.

Ich hatte heute Angst. Ich hatte heute tatsächlich Angst, alleine raus zu gehen – ich! Am Tag.

Es ist wahrscheinlich witzig, sich selbst als Bloggerin zu bezeichnen und monatelang nichts auf dem eigenen Blog zu posten. Was soll ich denn schreiben? Noch eine weitere Geschichte, was mir dieses Mal widerfahren ist, weil ich offensichtliche Muslima bin? Noch eine Rassismus- und/oder Diskriminierungserfahrung? Nochmal und nochmal und nochmal und nochmal?! Wie oft noch? 

Wisst ihr? Ich möchte auch mal einfach nur sein.

Einfach mal auf die Straße gehen und keinen ätzenden Blick abbekommen, keinen beleidigenden feigen Kommentar hören, kein Spucke auf den Kopf bekommen, nicht vom Auto angefahren und dann beleidigt zu werden, nicht das Kopftuch abgerissen zu bekommen, nicht von LehrerInnen/DozentInnen in eine scheiß Scheindiskussion verwickelt werden, worauf man eigentlich kein Bock hat doch immer als Sprecherin aller jemals existierten, noch exisitierenden und existieren werdenden Muslimen fungieren.

Davon bin ich müde. 

Ich möchte einfach mal nur Pädagogin sein, ich möchte die Tochter meiner wundervollen Mutter sein, ich möchte die nervende und/weil besorgte große, und die zu sehr liebende und klebende kleine Schwester sein. Ich möchte die alberne #weilwegenswag Tante sein. Ich möchte die Gesellschaftskritische sein, ohne in eine Schublade der Kritik gesteckt zu werden. Ich möchte Studentin, Lernende und Lehrende sein, mit allem was ich habe, oh ja, irgendwann möchte ich „(Bildungs-)Wissenschaftlerin“ sein. Ich möchte die Kinder- und Jugendarbeiterin sein und dieser Arbeit mit Leidenschaft nachgehen können, ohne nur für eine bestimmte Gruppe von Kindern und Jugendlichen zuständig zu sein. Ich möchte die Deutschrap-Liebende sein, die bei Xatar und Hafti Abi durch die Decke geht, die aber Bach Mozart vorziehende-möchtegern- Kultivierte, und gleichzeitig die Theater-liebende und Opern – nichtsoabhabende sein.

Ich bin müde, Leute, im ernst. Ich möchte einfach mal nur sein. 

Früher haben mich solche Ereignisse nur noch mehr motiviert, weil ich immer an das Gute geglaubt hatte, ich dachte immer, dass es besser werden wird, dass die Menschen liebender und intelligenter werden. Ich hatte immer die Hoffnung, dass es mit der Zeit besser werden wird – doch nun habe ich weder die Kraft noch mehr dagegen zu  arbeiten, noch die Hoffnung, dass es besser werden wird. 

Gestern im Flieger schrieb ich an meinen verstorbenen Opa: Bana vefat etmeden bi kac gün önce söyledigin seyi yaptim Dede. „Oku Kizim“, demistin. „Oku ki, seni Adam yerine koysunlar.

Üniversite okudum. Okudum ve bitirdim, Dede. Okudum, kagit üzerinde Adam oldum.  Ama benide, sana yaptiklari gibi, adamdan saymiyorlar. Cok bisey degismedi, Dede. Ama üzülme, ben aglamiyorum artik.  

(Ein paar Tage bevor du starbst sagtest du mir, ich solle studieren. Ich solle studieren um ein Jemand zu werden und wie ein Jemand behandelt zu werden. Ich habe studiert. Ich habe studiert und habe mein Studium beendet. Ich habe studiert und auf dem Papier, bin ich nun ein Jemand. Aber mir tun sie das selbe, wie bei dir auch schon, sie zählen mich nicht als Jemanden. Es hat sich nicht viel verändert, Opa. Aber sei nicht traurig, deshalb weine ich nicht mehr.)

Mein Kopftuch hat eine Bedeutung.

Heute berichten einige deutsche Zeitungen darüber, dass einem 13 jährigen Mädchen das Kopftuch in der Öffentlichkeit von einer Frau herunter gerissen wurde.*

In den Kommentarzeilen sind neben einigen, wenigen, untergehenden Kommentaren von Verständnislosigkeit über das Handeln der Frau, viele Kommentare, die rassistisch, sexistisch, aus der rechten Ecke politisch und einfach nur sowas von 1933 und Ekel erregend sind.

Das Kopftuch wird oftmals in den Kommentaren mit einer Bademütze oder mit einer Baseball Capy eines kleinen Jungen verglichen.

Ich glaube, dass viele nicht ganz verstanden haben, dass das Kopftuch eine Bedeutung hat. Mehr als nur eine „Politische“, die man ihr oft unterstellt.

Ein Mädchen entscheidet sich, vor allem in diesem Land, bewusst für ein Tuch. Es wird eine Pro und Contra Liste im Kopf, manchmal sogar auf Papier gemacht. Beim Abendessen wird darüber geredet, es wird heiß diskutiert.
Man ist heute leider nicht mehr so frei einfach, weil man überzeugt davon ist, zu beschließen, dass man morgen ein Tuch tragen möchte. Dazu gibt es zu viele Menschen, die es mit einer Capy vergleichen oder es einem abziehen könnten und würden!

Es ist eine wohlüberlegte Entscheidung. Man setzt sich neben den religiösen Bedeutungen und Richtlinien auch mit den gesellschaftlichen, eventuellen Problemen und Herausforderungen auseinander.

Selbst meine Eltern wollten damals nicht, dass ich ein Tuch trage, obwohl ich behaupten kann, dass meine Familie (mehr oder minder) den Islam praktiziert.

Die Angst davor, dass etwas passieren könnte, die Angst vor Diskriminierung, Rassismus, Hass und möglichen Angriffen ist einfach zu groß, als dass diese Entscheidung nur mit dem Herzen gefällt werden könnte. Wie schade eigentlich!

Deshalb: Mein Kopftuch HAT eine Bedeutung.
Eine, neben der Religiösen.

Das Kopftuch bedeutet, sich früh intensiv mit Thematiken auseinander zu setzten, in denen verschiedene Meinungen vertreten sind. Das bedeutet, dass man lernt, früh verschiedene Meinungen auszusuchen, anzuhören, abzuwägen und dann eine eigene Meinung zu bilden und nach dieser zu gehen. Diese zu vertreten und hinter ihr zu stehen.

Das Kopftuch bedeutet, dass man lernt hinter seinen Entscheidungen zu stehen. Hinter dem, was man für sich getan und beschlossen hat. Es bedeutet Verteidigung, oft auch Rechtfertigung und Erklärungen. Es bedeutet, dass man in der Lage ist oder sein muss, aufrecht zu gehen und erhobenen Hauptes hinter seinem Selbst zu stehen. Egal was ist!

Das Kopftuch bedeutet Stärke, Mut und Selbstbewusstsein. Obwohl muslimischen Frauen immer unterstellt wird, sie seien schwach und unterdrückt, muss man eine muslimische frau erst einmal genauer betrachten.
Das Kopftuch bedeutet, dass man jeden Morgen vor dem Spiegel steht, es aufsetzt und weiß, es könnte mit dem ersten Schritt nach draußen was passieren.
Es dennoch aufzusetzen, weil man hinter seinen Überzeugungen und Entscheidungen steht, zeugt von extremer Stärke, von Mut, von Ehrgeiz, von Weitsicht, von Revolution, von Veränderung, ja, von Rebellion, von Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein!

Das Kopftuch bedeutet Auflehnung. Auflehnung gegen das System das herrschen möchte und zum Teil schon herrscht. Das Tuch bedeutet Erinnerung. Erinnerung an die Geschichte, an die Geschichte die wir nicht noch einmal erleben wollen. Das Kopftuch bedeutet Mut, Mut nach draußen zu gehen Tag für Tag erhobenen Hauptes, und jeden Moment mit einem Angriff, einer Diskriminierungserfahrung zu rechnen.

Das Tuch bedeutet Aufstand und Rebellion!

Ja, mein Tuch ist schon lange kein nur religiöses Symbol mehr! Es ist auch nicht zu vergleichen mit einer Kappe eines Jungen oder eine Badekappe beim Schwimmen. Und nein, wir „heulen“ nicht leise, wie in den Kommentaren gefordert wurde! 
Ich zeige mit meinem Tuch, dass ich hier her gehöre. Dass ich zu Deutschland und nun auch zu Österreich gehöre. Mein Tuch zeigt, dass ich es Deutschland zumute, dass ich an Deutschland glaube, dass Deutschland Vielfalt tragen und lieben lernen kann.

Mein Tuch Auflehnung, Aufstand und Rebellion gegen alle, die wieder zurück in der Geschichte möchten!

Wenn sie doch nur wüssten!

 

 

*Spiegel Online

Das Gift des Nichtstun.

Ohne mich selbst loben zu wollen, (davor fürchte ich mich) kann ich sagen, dass ich seit vielen Jahren ein aktiver Mensch bin. Ich versuche viel zu tun. Bin in Vereinen, Organisationen etc. aktiv und versuche mich so gut es geht für das Gute einzusetzen. Seien es kleine Dinge, die keiner sieht wie Stunden lang am Eingang einer Jugendherberge auf den Lieferanten der gespendeten Würstchen zu warten oder sichtbar auf einer Bühne stehen und etwas moderieren oder ähnliches. 

Ich hatte immer ein Gefühl der Erfüllung in mir, wenn ich was tat, wenn ich was tun konnte. Wenn ich dem Fortschritt der Gemeinschaft und der Gesellschaft etwas beitragen konnte. 

Ich kenne Menschen, die es genießen  Tage lang nichts zu tun. Solche Zeiten gab es bei mir – dem Herrn sei Dank – selten. Doch die letzen zwei Wochen habe ich wegen persönlicher Umstände einen krassen Cut in meinem Leben durchlebt bzw. durchlebe ihn immer noch. 

Von den meisten Aktivitätsmöglichkeiten, die ich hatte und in die ich fest involviert war, bin ich nun örtlich zu weit weg, so dass die Dinge so einfach nicht mehr zu machen sind. Seit zwei Wochen in etwa sitze ich da, in einer Phase meines Lebens, in der Andere möglicherweise Abstand und Ruhe von Menschen und Arbeit genießen würden. 

Ich merke nur, wie ich das „TUN“ vermisse. Wie das „TUN“ mir selbst gut tat, und wie es mir jetzt nicht gut tut, nichts zu tun. Nichtstun fühlt sich für mich wie ein Gift an, dass sich in dich setzt und tatsächlich lähmt. 

All die vielen Zitate großer Denker, all die Worte von großen Menschen meines Herzens, all die Koranverse  über das „TUN“ – jetzt ergeben sie Sinn. Nie, wenn wir etwas tun, tun wir es für andere. Wir tun es immer für uns selbst. Wir tun es, damit wir uns selbst und andere schätzen und respektieren lernen. Wir tun es damit wir ruhig schlafen können. Wir tun es damit unsere Seele das Gefühl von Erfüllung erlangt. Denn der Mensch der „tut“, verändert im Endeffekt die Welt. 

Selten weiß ich nicht, wieso ich einen Text schreibe oder was ich überhaupt damit sagen möchte. Selten ist ein Text so, auf diese Art und Weise persönlich. Ich möchte nur eine Geschichte erzählen, mit dieser abschließen, hoffen und beten, dass auch ich, in naher naher Zukunft wieder etwas zu Tun finde/bekomme/habe, und andere zum aktiven Tun motivieren kann. 

Die Geschichte des Propheten Ayyoub/Hiob kennen sicher viele von uns. Ayyoub a.s. wurde auf eine Art und Weise geprüft, wie vielleicht kein anderer. Irgendwann, richtet er sich an den Herrn, in Mühsal und Leiden erstickend und spricht sein Leiden aus:

„Und erinnere dich an unseren Diener Hiob, (wie es war) als er zu seinem Erhalter rief: „Siehe, Satan hat mich mit völliger Mühsal und Leiden heimgesucht.“ 

Der Prophet ist so am Ende. Im Türkischen wird „Mühsal“ als „bitiş noktası“ beschrieben. Der Punkt, an dem man am Ende angelangt ist. Leiden wird als „Azab“beschrieben. Azab bedeutet „allein-sein, niemanden haben, dass Gott dir den Rücken zugewendet hat“. An diesem Punkt war Ayyoub a.s. angelangt und rief sein Leiden dem Herrn zu. Der Herr antwortet: 

„(und ihm daraufhin geantwortet wurde: „Schlage mit deinem Fuß (auf den Boden): hier ist kühles Wasser zum Waschen und zum Trinken.“ 

Es ist einfach nur krass. Einfach nur viel zu krass. Gott spricht nicht von Mitleid, Gott zieht seine Prüfungen nicht zurück. Gott sagt ihm, er solle aufstehen, sich aus der Situation lösen, auf den Boden schlagen. „Schlag mit deinem Fuß“ – tu etwas, bewege dich, lieg nicht da und bemitleide dich nicht selbst! Wasch dich und trinke Wasser und mach weiter. Kennt ihr diese Menschen, die einem sagen man solle sich das Gesicht waschen und ein Glas Wasser trinken, wenn etwas Schlimmes passiert ist oder man erschöpft ist? Genau das sagt Gott zu Ayyoub. Raff dich auf, lese ich in diesen Zeilen. Raff dich auf und „TU“ etwas! Denn am Ende des Tuns ist Erfolg und Zufriedenheit. 

„Und wir erteilten ihm neue Nachkommenschaft und verdoppelten die Zahl als ein Akt der Gnade von Uns und als eine Erinnerung an alle, die mit Einsicht versehen sind.“

Wenn das Tun uns von der Schlimmsten Lage unseres Lebens befreien kann, wie kann es noch Menschen geben, die das Nichtstun preisen? 

 

Ich wünsche allen Fastenden einen gesegneten Monat mit viel Liebe, Licht, Einsicht und vielen Aktivitäten. Ich wünsche mir, dass das Tun nicht lang auf sich warten lässt, dass ich nicht lange auf mich warten lasse! 

 

Aber Frau und Mann sind doch gleich! Bla, bla!

Warnung: Wutpredigt.

Warum ich mich denn nicht mit wichtigeren Themen befasse, als mit der Rolle der Frau im Islam, fragen sie mich. Weiß nicht, vielleicht weil viel blödes auf der Welt wegen falschen Rollen- und Weltbildern aus geht?

Es ist unglaublich, sie sitzen auf Podien, halten Vorträge, sind Vorzeigemodelle der muslimischen Gesellschaft in Deutschland/Österreich oder gar Europa, reden mir etwas von „Ach nein, wissen Sie, so ist das doch gar nicht. Die Frau ist dem Mann gleich gestellt, wir respektieren und achten jeder unserer Schwestern…“ bla bli blub! 

Ich solle das nicht öffentlich machen, was ich denke, ich solle mir nicht einbilden, eine Revolution starten zu können. Naja, vielleicht bin ich größenwahnsinnig, aber probieren schadet ja nichts! 

Ganz ehrlich „lieber Bruder“, und auch „liebe Schwester“, die dem Bruder bei jedem Wort in den Mund schaut, ob das denn ok ist was sie sagt: mich interessiert es kein bisschen, was ihr auf den Podien erzählt, solange das Gesagte nicht mit den Taten hinter den Türen übereinstimmt. Sich als ach so aufgeklärt und fortschrittlich darstellen, aber nicht damit klar kommen, dass eine „Schwester“ eine andere Meinung vertritt und sich nicht scheut diese offen zu kommunizieren?! 

Was soll ich tun? – gegenüber den Ungerechtigkeiten gegenüber der Frau meine Klappe halten, nur weil die Mehrheit der Menschen, die eine „anerkannte Meinung“  zu Dingen haben und vor allem eine theologische Ausbildung besitzen, die sie dazu befähigt ein Anspruch auf absolute Wahrheit und Richtigkeit zu haben, vor allem diese fast ausschließlich Männer sind, weil die Frau nicht zu Wort kommen SOLL, diese soll ich einfach weiter ihr Unwesen treiben lassen?

Was ich mir denn einbilde, den Mädchen zu sagen, sie sollen sich ein Selbstbewusstsein als Frau aufbauen, als Frau, als eigenständige Frau, so wie Gott sie schuf unabhängig vom Mann. Was ich mir denn denke, denn Mädchen ein falsches Bild von Mann-Frau-Beziehungen zu vermitteln?

Lieber Bruder, gestern hast du noch gesagt, dass du doch so auf Gleichberechtigung aus bist, dass du sogar den Müll runter bringst, obwohl du es nicht möchtest.

Und genau das mein Lieber, ist der springende Punkt. Es geht weder um den Müll, noch um den Abwasch, noch ums Geld und weder um die Zeit für die Kinder!

Primär geht es um dein Bild in deinem Kopf und deinem Herzen. Sind diese Bilder mit dem quranischen Bild vereinbar? Hast du dich selbst mal hingesetzt, und selbst in quranischer Weise versucht Themen zu erarbeiten, oder hast du es bisher nur bevorzugt dir ein paar Vorträge über Frauen(rechte) von Männern rein zu ziehen und hast deine Liberalität darauf aufgebaut?!

Und die Frauen, die das noch akzeptieren, die damit noch einverstanden sind solange er den Müll runter bringt – naja, dann wundert mich nichts mehr! Wenn die Frau nicht aufsteht, ihre Stimme bei Ungerechtigkeit erhebt und sich aktiv ihre Recht sucht, wer denn dann bitte?! Die Männer werden dir ganz sicher nicht einen roten Teppich ausrollen.

Mich nervt diese Falschheit. Entweder ganz oder gar nicht. Entweder Ehrlichkeit oder Stille. Sprich nicht in meinem Namen – ich spreche für mich! Lass mich für mich sprechen – ich brauche keinen Mann dazu!  

Wechselwirkung – Hand verschmutzt Hand. „machtWorte“

Zur Lesung geht es hier entlang: Lesung – Wechselwirkung

Allahu akbar“ schreien sie, welch’ laute Horde mit unreiner Brust! Schatten in ihren Augen, sie stoßen ab mit ihren bärtigen, grimmigen Gesichtern. Sie lüstern nach Macht und dursten nach Blut. Sie schreien „Allahu Akbar“ und missbrauchen den Namen des Liebenden, Geliebten. Erheben sich damit in ihrer Perversität.
Ihre Zungen sprechen mächtige Worte bei Tag und bei Nacht – sie stoßen die Worte aber von sich ab statt diese in ihre Herzen eindringen zu lassen.
Sie rufen „Gott ist groß“, doch sind sich dessen Konsequenz bewusst?!

„Allahu akbar“ schreien sie während sie töten, zerstören, in Brand setzen. Menschen erschrecken, Angst einflößen kleinen weinenden Kindern, das Gute auslöschen, den Frieden zunichte machen.

Hätten sie doch aber auf das erste Wort ihrer Worte gehört – „Iqra – Lies!“ so wäre das was sie tun ihnen selbst zuwider.

Sie erschaffen sich Königreiche und Mächte mit ihren Worten. Machen mit ihren Worten aus Königen Sklaven, aus Sklaven Könige. Bestimmen mit einem Wort über Gut und Böse, über Leben und Tod. Machen aus Menschen das, was sie nie hätten sein sollen. Nie hätten sein können.
So mächtig ist also das Wort, so zerstörerisch!

*

„Wir sind das Volk“ brüllen sie, laut, so dass ihnen die Stimmen zu verschwinden drohen.
Ihre eisblauen Augen stechen in der Dunkelheit hervor, pflanzen sich in die Erinnerungen, in die Herzen kleiner weinender Kinder, die vor „Allahu akbar“ – Schreienden geflüchtet sind, um mit „Wir sind das Volk“ empfangen zu werden?

Hineingetaucht sind ihre patriotischen Geister in Liebe zu Schwein, deutschem Kulturgut und Heimatgefühl! Machen ihre Identität an einem Tier fest, sind nichts weiter, als Mitbürger auch anderer Beheimateter – wollen es aber nicht fühlen!

Sie merken nicht, dass sie mit ihren Worten das Licht am Ende des Tunnels auslöschen, während sie andere dunkle Lichter die seit Jahrzehnten erloschen sind, wieder anzünden zu versuchen.
Mit ihren Worten färben sie Seelen braun, während sie das Kunterbunte zu ersticken versuchen! Wollen eine Alternative für das Land sein, doch mit ihren Worten machen sie krank die gesunden Herzen und gesund die Kranken. Steigen hinauf in die obersten Ebenen der Mächtigen; unter den von Steuergeldern bezahlten Nadelstreifen verstecken sich ihre Springerstiefel!

„Wir sind das Volk“ brüllen sie, missbrauchen unverschämt und in Absolutismus badend den Namen des Volkes! Erheben sich in ihrer Perversität damit. Sie sprechen Worte, mächtige Worte, während sie zerstören, in Brand setzen, Menschen erschrecken, Kinder zum weinen bringen, das Gute und die Hoffnung auf Frieden auslöschen! Hetzen, Hass verbreiten und das Eine spalten!
So mächtig ist also das Wort, so zerstörerisch.

*

Da stehe ich nun, inmitten dieser beiden Seiten. Keiner weiß mehr so recht was richtig und falsch ist. Und ich mittendrin, werde bekämpft, getreten, angefeindet und befremdet von Beiden! Kann kaum eine Zeitung aufschlagen, ohne dass einer der Beiden, am besten im Verbindung miteinander, thematisiert werden. Stehe da während 1000 nachte Zeigefinger gegen mich gestreckt sind!

Sie sagen Ich sei die Ungläubige, nein, ich bin! die Ungläubige, die, die den Ungläubigen in den Arsch kriecht, die Gott für die Demokratie verkauft hat, die, die ihre erotische Stimme selbst vor Männern erhebt, sich ihnen zeigt, sich ihnen vorführt! Ich bin ein ausgepackter Lutschbonbon, an dem sich Sarrazin, Hamed Abdelsamed und Petry gemeinsam, Lippe an Lippe vergnügen, während ich nicht beachte, dass meine Glaubensgeschwister für Gott kämpfen und sterben.
Ich bin die Ungläubige, die ignorante Egoistin, die einen liberalen Islam geschaffen hat, die vom Propheten bekämpft werden würde, wenn er lebte. Ich bin die, die das Tuch trägt, aber keinen Glauben mehr in sich. Die, die sich verkauft hat. Ich bin die, die Gott niemals erreichen wird, die, die in Reue verrecken sollte, die Gottes Vergebung niemals erhalten wird, da mein Gott nun Europa ist!

Auf der anderen Seite bin ich die Kopftuchschlampe, sagen sie, die Putze von Muhammad, die Sexsklavin meines Mannes, die Knechtin meines Vaters, der Boxsack meines Bruders! Die Kanakin, die ewige Kanakin die kein Deutsch spricht, die die niemals einen Abschluss erlangen wird, die, die unterrückt ist, befreit werden muss, die keine eigenen Entscheidungen treffen kann. Ich bin die, die gerade mal gut genug für einen Putzjob ist, aber auch die Sozialschmarotzerin, die von ihren Steuergeldern lebt. Ich bin die Hinterweltlerin, die Zurückgebliebene, die, die das Land ins Verderben stürzt, eine Seuche für jeden Deutschen, ich bin die Pest!

Anhören muss ich mir beides, von beiden Seiten, immer und immer und immer wieder.
Es scheint, als seien sie eins die Beiden, als seien sie das Selbe im Kern, als verfolgten sie die selben Ziele, hätten die selbe Motivation, wären aus dem selben Material gestrickt in ihrem Hass gegen mich, gegen die Mitte, gegen die Leute der Mitte!

Und da stehe ich nun, im Stillen schreiend, in der Schlacht friedenstiftend und im Scheinfrieden kämpfend!

Mein Haupt ist erhoben, immer, denn ich werde mich niemals meinem Glauben, meinen Flügeln der Herkunft, noch mich meinem Deutschsein berauben lassen!

Das Wort also. So mächtig ist also das Wort, so zerstörerisch.

So viel wie es Schlechtes anrichten kann, kann es auch Gutes tun – wenn man es denn zu benutzen weiß, zu formen – wie eine Kunst.

Die Macht liegt also in den Händen der Lauten.
Ist das Schweigen dann wirklich eine Lösung?

*

Nachtrag: Der Text ist für eine Lesung in Karlsruhe entstanden. Dieser wird auch im Sammelband „Farblos – Junge Dichter über Flucht und Migration“ erscheinen. Alle Infos dazu hier: facebook.com/farblospoesie/

Weisheit und Unrecht.

Sie sitzt neben mir und strickt. Sie ist alt und ich liebe sie sehr. Plötzlich, aus dem Nichts atmet sie tief ein und wieder aus. Beim Ausatmen spricht sie „Audhu Billahi mina-Shaitan-nir-Rajeem, Bismillahi RahmaniRahim.“(Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Satan. Mit dem Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen) Ich muss lächeln. 

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Wenn wir, die Menschen, oder die Muslime eine Sache erforschen, lernen  wollen, dann lesen wir uns Texte von Imamen, Gelehrten oder sonst etwas durch und übernehmen diese. Meist ohne zu hinterfragen. Wie mich das nervt möchte ich nicht näher erläutern. Ich hatte dazu in meinem Text „Mein Hoca hat gesagt…“ genug geschrieben.  Mir geht es heute um etwas anderes. 

Oft schauen wir uns einen Sachverhalt an und versuchen diesen islamisch, also u.a. koranisch zu belegen, zu untermauern – besser; wir suchen irgendetwas, dass uns das gibt wonach uns gerade ist, damit wir raus schreien können bei Kritik: „aber das steht im Koran!“

Ich habe eine Sache gelernt: man muss, wenn man eine Sache begreifen will nach einer Sache streben und sich vor einer fürchten. 

Die erste Sache vor der man sich fürchten sollte ist das Unrecht. Zulm auf arabisch. Zulm bedeutet, dass man eine Sache von dem Platz entreißt, den Gott eigentlich ursprünglich für diese Sache vorhergesehen hatte. 

Die zweite Sache, nach der man streben sollte ist Weisheit. Arabisch Hikma. Hikma bedeutet, etwas an den Platz legen den Gott für eine Sache vorgeschrieben hat. 

Ich mache mir oft Gedanken über Gott. Über Gott und mich. Wirklich über das Wesen und meine Beziehung zu Ihm. Manchmal sitze ich da und rede einfach mit Ihm. Man könnte mich für verrückt erklären. Ich sitze in einem leeren Zimmer und rede, in irgendeinem Gefühlszustand mit „etwas,“ das man weder sehen, hören noch physisch spüren kann. Aber ich kann sagen, dass ich Gott kennengelernt habe. Irgendwie.  Nicht nur durch einen Weg, den Islam, sondern durch Verschiedene. Und mittlerweile kommen wir gut miteinander klar. 

Wenn ich mir bei einer Sache denke, was Er wohl möchte, und diese dann so umsetze, dann hoffe ich, dass ich das „Richtige“ tat und mit Hikma gehandelt habe, bzw. angewendet habe. Ich habe die Sorge Zulm zu begehen, in Zulm zu handeln. 

Mein Streben danach, etwas an dem Platz zu legen, sei es nur eine kleine Tat, den Gott für diese Sache vorgesehen hat erfüllt mich. Wenn diese Sache dann noch diesen Platz erreicht, ja dann kann ich von innerem Frieden sprechen. Denn die Sache die an dem richtigen Platz gelegt wurde, ist dann nur vollkommen und gut. Fühlen wir uns als Menschen nicht etwa unwohl, wenn wir an einem Ort sind, der eigentlich nicht der Richtige für uns ist? Ich schon. Erst wenn ich wieder dort bin, wo ich mich hingehörig fühle geht es mir gut, kann ich gut schlafen. 

Ich frage mich, wie oft wir mit in Hikma und wie oft in Zulm handelt – vor allem wenn es um religiöse Themen geht. Setzen wir die Sachen, Geschehnisse, Personen und und und an die Stellen, und leben sie auf die Art und Weise wie sie Gott vorhergesehen hat? 

Zuflucht vor dem Satan Suchen. Mit dem Namen Gottes alles beginnen ist nicht eine Sache, die man unbewusst „nur“ sprechen sollte. Sie ist eine Bewusstseinsebene, in die man eintauchen muss, damit man mit Weisheit handeln kann und dem Unrecht die Stirn bietet. 

Mögen wir alle dieses tun können. Ich – vor allem ich. 

Mit dem Wunsch, dass das Leben in Hikma gefüllt ist. Zulm weit weg von uns bleibt!

Wieso ich Anwältin werden wollte. Wieso ich Pädagogin (werde) geworden bin.

Seit dem ich denken kann wollte ich Anwältin werden. Ich wollte in einem Gerichtssaal stehen, mit meiner Robe über meinen Schultern, bei dem Gedanken alleine fühlte ich mich groß und so, als könnte ich jemandem etwas Gutes tun – dem, der neben mir sitzt.

Ich wusste schon immer Ungerechtigkeiten zu erkennen, diese zu verurteilen und die Menschen bestrafen zu wollen – in dem Maße, wie sie es verdient haben. Ja ich finde, es sollte Strafe geben – im verdienten Maße.

Ich habe nie in die Gesichter der Menschen lachen können, von denen ich wusste, dass sie andere zum Weinen bringen. Ich habe es nie geschafft mein Gewissen zum Schweigen zu bringen, auch einmal „böse“ zu sein, damit ich etwas habe/bekomme, dass ich wollte, nie aber sonst haben könnte. Ich war immer zufrieden damit. Ich war bekannt als die, die immer versucht das Richtige zu tun – die meisten meiner Klassenkameraden haben mich auf Ausflügen gehasst, die meisten LehrerInnen benutzen mich als Hilfsbetreuerin. Kein Witz! 

Ich sitze wieder an meinen Laptop, jetzt gerade im Moment seit ca. 3 Stunden und versuche eine blöde Hausarbeit zu schreiben. Früher habe ich es geliebt nun aber, wo Stress mein stetiger Begleiter geworden ist, will ich sie nur noch schreiben und abgeben. Mit der Hoffnung auf einen baldigen Titel als  Pädagogin. Ja, ich habe mich gegen ein Jura -Studium entschieden. Wieso, wenn ich doch so viel mehr Prestije und vor allem Geld hätte haben können? 

Es geht um die Ungerechtigkeit, die mich viele Nächte nicht schlafen lässt, die mich viele Tränen gekostet hat, viele Nerven, viele Tage, in denen ich versuchte mit ihnen klar zu kommen – es gelang nie – bis heute nicht. 

Anwälte, Richter – sie bestrafen jemanden, nach dem er eine Tat begangen hat. Erst wenn etwas passiert, so in Deutschland, kann auch wirklich etwas unternommen werden. (so krank es auch klingt). Als Juristin also sorge ich dafür, dass das „böse“ hinter Gittern kommt, aber das „Böse“ hat sich zuvor schon entfalten können. 

Als Pädagogin kann ich es vielleicht schaffen, dass Böse in dem Menschen zu ersticken und statt dessen den Platz mit Liebe zu füllen? So, dass gar keine bösen Taten mehr gemacht werden? So dass er gar nicht vor den Richter treten muss? 

Ich mag meine Hausarbeit noch immer nicht. Auch nach diesem Text nicht. Aber ich mag den Gedanken, mit dem Titel, den mir u.a. diese Arbeit bringt möglicherweise, in Zukunft, irgendwann einmal etwas Böses verhindern zu können!