Keine Gemeinschaft ohne Vergebung.

Ich habe mich vor wenigen Tagen mit einer Bekannten gestritten. Am Ende des Schreits, in dem ich womöglich meine eigenen Grenzen überschritten habe, und mich darin nicht mehr selbst erkannte sagte sie mir: Lies dir mal bitte deinen Text durch, den du vor einigen Tagen geschrieben hast. Sie meinte den Text über Kommunikation und Selbstdisziplin, in der ich eine Lehre aus der Schlacht von Uhud und der Niederlage zog für die Art und Weise, wie man mit Menschen umzugehen hat, die einem weh tun.

Und ja, ich habe darüber reflektiert und sie hat Recht, es ist die selbe Situation. Ich habe an dem Tag 49 Geschwister verloren an einen Krieg gegen den Islam und wurde zudem noch von einer Glaubensschwester, mit der ich Seite an Seite käpfe verletzt – sehr verletzt. Und ich habe es nicht geschafft Selbstdisziplin zu üben. Wie die letzten Male – ich habe ausgeteilt.

Und nun verstehe ich die Geschichte besser. Ich kann hineinfühlen, wie schwierig das für den Propheten gewesen sein muss, sich im Zaum zu halten. Nicht zu verletzen, nicht um sich zu schlagen. Es ist sehr schwer. Doch, wenn er sagt, er ist gekommen, um den besten Charakter zu vervollständigen, heißt es, dass das ein Teil des besten Charakters sein muss – Haliim zu sein. Nachsichtig, obwohl man jedes Recht und die Möglichkeit hat zu bestrafen.

Und heute ist mir, als ich an den Streit dachte eine Sure im Koran eingefallen. Sure Saff, 61. Die Reihen. Ich musste die ersten 4 Verse in einem Kurs auswendig lernen. Und seither rezitiere ich diese 4 Ayat bei jedem Gebet.

„Allah preist (alles), was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Und Er ist der Allmächtige und Allweise.O die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut?Welch schwerwiegende Abscheu erregt es bei Allah, daß ihr sagt, was ihr nicht tut.Gewiß, Allah liebt diejenigen, die auf Seinem Weg kämpfen in Reihe, als wären sie ein zusammengefügter Bau.“ (61.1-4)

Ja, ich habe nicht getan, was ich gesagt und geschrieben habe. Ich bin meiner Enttäuschung und Trauer unterlegen. Doch am Abend stand ich neben ihr, mit 350 anderen Geschwistern, wie in Ayat 4 um unseren Verlust zu betrauern. Die nächste Stufe des Halims ist es zu verzeihen – ich muss verzeihen, um die beste Tugend zu erlangen!

Und als ich den Tafsir von M. Asad aufschlug überraschte es mich nicht, dass genau diese Zeilen bezogen sind, auf die Personen in der Schlacht Uhud, die ihren Posten verlassen und dadurch Schaden davon getragen haben. Sie haben sich nicht an ihr Wort gehalten. Die Verbindung die ich im Herzen zwischen den 2 Ayat gemacht habe, die hat Allah schon bestimmt.

Wieso? Weil Verletzung und Trauer, Verlust und Vergebung, Gemeinschaft und Vergebung immer Hand in Hand gehen.  Doch wie definiert Allah Vergebung? Allah ist Haliim! Der der mit der Bestrafung nicht eilt, und verzeiht, obwohl er die Möglichkeit und das Recht dazu hätte. Allah definiert Vergebung genau so. Nicht aber darin, dass man sich weiter der Erinnerung der Verletzung hingeben muss. Als nach der Schlacht von Uhud der Mörder seines Onkels zu ihm kam und dem Islam beitreten wollte, hieß er ihn willkommen, bat ihn aber, ihm fern zu bleiben, weil die Verletzung zu groß ist.

Vergebung bedeutet also, Selbstdisziplin, obwohl man Recht und Möglichkeit hat, nicht aber, die anderen Wange hinhalten. Sondern abschließen, wenn es besser so ist.

Gemeinschaft setzt aber Vergebung voraus. Sonst kann man nicht in einer Reihe stehen und kämpfen und trauern.

Möge Allah uns seinen Namen Haliim in unsere Herzen pflanzen, auf das wir uns durch Vergebung von der Wut erlösen können und möge Allah uns nebeneinander stehen lassen, in einer Reihe. Und uns zu der besten Form unseres Selbst machen, und an unser Wort halten lassen, und milde sein lassen mit den Menschen die uns verletzen.

In Gedenken an die Geschwister die in einer Reihe standen und in dieser Reihe ihr Leben ließen!

Schwester, der Eingang für die Frauen ist durch den Keller.

Ich war vor kurzem mit Freunden in New York. Wir haben uns schon zu Beginn vorgenommen, an dem Freitag das Freitagsgebet, das MuslimInnen am Freitag beten in einer Moschee in New York zu verbringen. Ich habe auf dem Weg zur Moschee zu den Freunden und meinem Partner gesagt: „wetten wir, wenn wir dort ankommen, werden wir Frauen wieder in einem anderen Raum geschickt und wenn wir Glück haben  können wir die Predigt durch einen TV verfolgen.“ Alle drei antworteten mir, dass sie denken, dass das auf keinen Fall vorkommen wird, da die amerikanische Community viel weiter sei als wir.

Aber genau das passierte – wir kamen an, ein Mann, der absolut lieb und herzlich war, wies uns daraufhin, dass wir bitte durch dein kleinen Laden um die Ecke in den Frauenbereich sollen. Das taten wir. Wir hatten keinen Glück – es war ein Mini-Bildschirm.

Die Gemeinschaft war toll – die Menschen herzlich. Absolute Diversität, Herzlichkeit, aber dennoch: da fliegt man ans andere Ende der Welt, uns sieht sich mit den selben Grundproblemen konfontiert wie in Österreich, in Deutschland und in der Türkei?

Für mich spiegelt die Moschee immer die gesellschaftliche Situation wider. Und dort, wo die Frauen in der Moschee verortet werden, werden sie auch im gesellschaftlichen Rahmen verortet, dort wo die Männer verortet werden in der Moschee, werden sie in der Gesellschaft verortet und dort wo die Kinder in der Moschee verortet werden, dort werden sie in der Gesellschaf tund in den gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen verortet.

Die Frau hat in der Moschee nicht einmal 1/3 des Raumes, das die Männer haben. Sie haben nicht die selben Ressourcen, die den Männern geboten werden, um das machen zu können, wo sie ihre Interessen verorten. Männer haben meistens eine Kinderfreie-Zone, denn die Kinder sind bei den Müttern. Die Männer haben ihre Ruhe, sie können sich auf ihre Pflichten und ihre Ruhe konzentrieren. Dabei haben sie genug Ressourcen und genug Raum. Der Prediger geht auf ihre Fragen ein, nimmt sie an – sie können aktiv partizipieren.

Lasst uns das auf die Gesellschaft umstülpen:

Frauen, bekommen keinen Raum um sich zu entfalten. Zusätzlich dazu, dass sie keinen Raum haben, haben sie begrenzte bis keine Ressourcen um sich in dem verwirklichen zu können, was sie möchten. Sie sind entweder motiviert genug um zu improvisieren und sich die Ressourcen selbst zu beschaffen, oder sie gehen im Nichts unter. Außerdem haben Frauen nie ihre Ruhe – das Kind wird nach dem klassischen Rollenbild der Frau zugeschoben. Als wäre der Raum nicht schon eng genug, muss sie Frau in dem begrenzten Raum mit begrenzten Ressourcen nicht nur auf sich schauen, sondern hat auch die absolute Verantwortung für ein Lebewesen, das auf sie angewiesen ist.

Sie hat keine Möglichkeit ihre Pflicht in Ruhe zu erfüllen, geschweige denn davon Ruhe für sich selbst zu genießen, sich selbst zu verwirklichen und unabhängig ihrer Rolle als Mutter/Ehefrau/Tochter/Schwester zu existieren. Außerdem hat die Frau keine Möglichkeit aktiv zu partizipieren – sie hat gar keinen Zugang zu den Menschen und Möglichkeiten, die ihr dabei helfen können, die ihr helfen können. Sie kann nur still auf ein kleinen Bildschirm starren und hoffen, dass das Mikro heute funktioniert.

Malcolm X sagte einst etwa, dass man, wenn man sehen möchte in welcher Lage eine Gesellschaft ist schauen muss, in welcher Lage die Frauen dieser Gesellschaft sind.

Und ich komme nicht umhin, mir Gedanken und Sorgen darüber zu machen, in welcher Lage die Frauen in der muslimischen Gesellschaft ist, wenn es in Mini-Österreich genauso schlimm ist wie in einer Moschee in New York City!

Wir müssen beginnen, unsere Lehren in unsere Räume zu tragen, damit sie in den Verstand und dann in das Herz der Menschen fließen – um eine Gesellschaft der Gerechtigkeit zu schaffen!

Wir haben mit der Geschichte Marias das größte Beispiel hierfür. Ihre Geschichte zeigt uns, dass Gott schon lange lange vor uns ein Kampf gegen das Patriarchat geführt hat und das nicht gut heißt, was Männer zum Teil in seinem Namen treiben. Er drängte darauf, dass eine Frau einen Platz im Tempel, in der Moschee und damit in der Gesellschaft bekommt – das war Marias Kampf! Der Kampf gegen das Patriarchat und die Annahme der Männer, dass Frauen dort, also auch in der Gesellschaft keinen Platz haben.

Und Gottes Kampf sollte auch immer unser Kampf sein!

Kommunikation und Selbstdisziplin.

Egal welches Problem ich mit wem auch immer bespreche, als Lösungsvorschlag kommt immer das große Wort: Kommunikation. Tatsächlich habe ich mich lange, viele Jahre damit auseinander gesetzt. Wie kommuniziert man „richtig“? Wie kann ich etwas so formulieren, dass das was ich sagen will bei meinem Gegenüber ankommt ohne dass mein Gegenüber verletzt wird. „Ich-Botschaften“, „aktives Zuhören“ etc. etc. All diese Sachen habe ich nur zu oft gehört. – und versucht sie zu verinnerlichen.

In einem Gespräch ist es kein aktives Überlegen und danach Handeln mehr – das richtige Kommunizieren ist mir auf eine Bewusstseinsebene gelangt, so dass es einfach die Art und Weise ist, wie ich kommuniziere. Und genau deswegen achte ich sehr darauf, wie andere es tun.

Wenn man ein aktiver Mensch ist, hat man immer wieder mit allen möglichen Menschen zu tun. Sehr verschiedene, mit verschiedenen und unterschiedlichen Charakterzügen, doch ein gewisses Maß an Respekt und Wertschätzung ist für mich immer die Mindestvoraussetzung dafür, dass ich mit jemanden kommunizieren und arbeiten kann, bzw. möchte. Leider aber kommt es nicht allzu selten vor, dass Menschen, die auf großen Bühnen stehen und sich als „AktivistInnen“ bezeichnen, keinen Anstand und keinerlei Feingefühl haben, was das Soziale und das damit verbundene „Miteinander sprechen“ anbelangt. In letzter Zeit ist es mir nur all zu oft passiert, dass ich mit offenem Mund am Telefon oder in einem Meeting war, und nicht realisieren konnte, wie Menschen, die von sich behaupten für eine bessere Welt sorgen zu wollen, so miteinander umgehen können.

Ich erinnere mich da an eine Geschichte, die ich oft gehört habe. Ein großer König möchte mit seinem Heer in die Schlacht ziehen. Und der große König wir unterrichtet und ist der Liebling eines Meisters, der weltweit bekannt ist und der allwissende unter den Wissenden ist. Als der König sich mit seinem Heer absprach ob sie die Schlacht lieber in Ort A oder Ort B abhalten sollen, stimmte er selbst für Ort A. Die Mehrheit des Heers war jedoch für B. Und da dieser König demokratisch in diesen Dingen vorging akzeptierte er die Entscheidung seiner Leute. Später kamen diese und sagten, sie seien auch bereit in Ort A zu kämpfen doch er antwortete „wenn ein König seine Rüstung für eine Schlacht angelegt hat, legt er sie nicht mehr ab“.

Sie verloren die Schlacht, wegen vielen Fehlern die das Heer gemacht hat, unter anderem aber auch, weil sie den Nutzen aus Ort A, für den der König war nicht ziehen konnten. Der König verlor in dieser Schlacht 70 seiner liebsten Leute, darunter seinen liebsten Onkel, und auch er selbst wurde schwer verletzt.

Nach der Schlacht, kurz bevor er zu seinem Heer sprechen sollte kam sein Meister zu ihm. Der Meister, der ihn lehrte die beste Version von sich selbst zu sein, ihn unterrichtete in Liebe und in Barmherzigkeit – und trug ihm auf, auch so mit seinem Heer umzugehen. So also sprach der König zu seinem Heer und den Menschen, die all diese Fehler in der Schlacht machten keine bösen oder verletzenden Worte, er war milde mit ihnen.

Denn der Meister, er sagte: Und in Anbetracht der Barmherzigkeit Gottes warst du mild zu ihnen; wärst du aber rauh und harten Herzens gewesen, so wären sie dir davongelaufen. Darum vergib ihnen und bitte für sie um Verzeihung und ziehe sie in der Sache zu Rate; und wenn du entschlossen bist, dann vertrau auf Gott; denn wahrlich, Gott liebt diejenigen, die auf Ihn vertrauen.           [3:159]

Stellt euch vor: jemand ist verantwortlich dafür, dass ihr 70 eurer Liebsten und dazu noch euren Onkel verliert, und ihr schafft er solch eine Selbstdisziplin und einen edlen Charakter an den Tag zu legen, diese Menschen nicht zur Sau zu machen. Ich für meinen Teil würde sie glaube ich von einer Wand an die andere klatschen. Ein Mensch, der sich in solch einer Situation beherrschen kann, Herr über sich selbst sein kann, und mit seinen Worten gezügelt umgehen kann, was für ein Mensch ist das?

Ich denke immer an diese Geschichte, wenn mir danach ist einen Menschen eben von Wand zu Wand zu klatschen, aber auch, wenn Menschen mich von Wand zu Wand klatschen und sich selbst als „Weltverbesserer“ und „Statthalter auf Erden“ sehen.

Wahre Tugend bedeutet, sich in Zeiten in denen es unmöglich scheint zusammenreißen zu können und niemanden zu verletzen.

Ich ziehe für mich 3 Lehren aus dieser Geschichte:

Eine demokratisch getroffene Entscheidung muss respektiert werden. Dazu gehört auch, die eventuellen Konsequenzen zu tragen.

  • Der Mensch ist zu so viel mehr Selbstdisziplin in der Lage, als er denkt.
  • Und zu Letzt: das milde Wort wiegt mehr als das raue Wort und wird dazu führen, dass man Menschen, die bereit sind mit einem zu kämpfen, nicht verliert.

Neues Projekt – ich, Esim von Goethe auf YouTube!

Liebe Freundinnen und Freunde, 

ich habe vor knapp einem Monat ein neues Projekt neben meinem Blog begonnen: YOUTUBE! (siehe unten das erste Video) 

Schaut doch gerne mal vorbei und lasst ein Abo da, wenn ihr möchtet. 

Bis Bald! 

Eure Esim 

Mein Kopftuch hat eine Bedeutung.

Heute berichten einige deutsche Zeitungen darüber, dass einem 13 jährigen Mädchen das Kopftuch in der Öffentlichkeit von einer Frau herunter gerissen wurde.*

In den Kommentarzeilen sind neben einigen, wenigen, untergehenden Kommentaren von Verständnislosigkeit über das Handeln der Frau, viele Kommentare, die rassistisch, sexistisch, aus der rechten Ecke politisch und einfach nur sowas von 1933 und Ekel erregend sind.

Das Kopftuch wird oftmals in den Kommentaren mit einer Bademütze oder mit einer Baseball Capy eines kleinen Jungen verglichen.

Ich glaube, dass viele nicht ganz verstanden haben, dass das Kopftuch eine Bedeutung hat. Mehr als nur eine „Politische“, die man ihr oft unterstellt.

Ein Mädchen entscheidet sich, vor allem in diesem Land, bewusst für ein Tuch. Es wird eine Pro und Contra Liste im Kopf, manchmal sogar auf Papier gemacht. Beim Abendessen wird darüber geredet, es wird heiß diskutiert.
Man ist heute leider nicht mehr so frei einfach, weil man überzeugt davon ist, zu beschließen, dass man morgen ein Tuch tragen möchte. Dazu gibt es zu viele Menschen, die es mit einer Capy vergleichen oder es einem abziehen könnten und würden!

Es ist eine wohlüberlegte Entscheidung. Man setzt sich neben den religiösen Bedeutungen und Richtlinien auch mit den gesellschaftlichen, eventuellen Problemen und Herausforderungen auseinander.

Selbst meine Eltern wollten damals nicht, dass ich ein Tuch trage, obwohl ich behaupten kann, dass meine Familie (mehr oder minder) den Islam praktiziert.

Die Angst davor, dass etwas passieren könnte, die Angst vor Diskriminierung, Rassismus, Hass und möglichen Angriffen ist einfach zu groß, als dass diese Entscheidung nur mit dem Herzen gefällt werden könnte. Wie schade eigentlich!

Deshalb: Mein Kopftuch HAT eine Bedeutung.
Eine, neben der Religiösen.

Das Kopftuch bedeutet, sich früh intensiv mit Thematiken auseinander zu setzten, in denen verschiedene Meinungen vertreten sind. Das bedeutet, dass man lernt, früh verschiedene Meinungen auszusuchen, anzuhören, abzuwägen und dann eine eigene Meinung zu bilden und nach dieser zu gehen. Diese zu vertreten und hinter ihr zu stehen.

Das Kopftuch bedeutet, dass man lernt hinter seinen Entscheidungen zu stehen. Hinter dem, was man für sich getan und beschlossen hat. Es bedeutet Verteidigung, oft auch Rechtfertigung und Erklärungen. Es bedeutet, dass man in der Lage ist oder sein muss, aufrecht zu gehen und erhobenen Hauptes hinter seinem Selbst zu stehen. Egal was ist!

Das Kopftuch bedeutet Stärke, Mut und Selbstbewusstsein. Obwohl muslimischen Frauen immer unterstellt wird, sie seien schwach und unterdrückt, muss man eine muslimische frau erst einmal genauer betrachten.
Das Kopftuch bedeutet, dass man jeden Morgen vor dem Spiegel steht, es aufsetzt und weiß, es könnte mit dem ersten Schritt nach draußen was passieren.
Es dennoch aufzusetzen, weil man hinter seinen Überzeugungen und Entscheidungen steht, zeugt von extremer Stärke, von Mut, von Ehrgeiz, von Weitsicht, von Revolution, von Veränderung, ja, von Rebellion, von Selbstbestimmtheit und Selbstbewusstsein!

Das Kopftuch bedeutet Auflehnung. Auflehnung gegen das System das herrschen möchte und zum Teil schon herrscht. Das Tuch bedeutet Erinnerung. Erinnerung an die Geschichte, an die Geschichte die wir nicht noch einmal erleben wollen. Das Kopftuch bedeutet Mut, Mut nach draußen zu gehen Tag für Tag erhobenen Hauptes, und jeden Moment mit einem Angriff, einer Diskriminierungserfahrung zu rechnen.

Das Tuch bedeutet Aufstand und Rebellion!

Ja, mein Tuch ist schon lange kein nur religiöses Symbol mehr! Es ist auch nicht zu vergleichen mit einer Kappe eines Jungen oder eine Badekappe beim Schwimmen. Und nein, wir „heulen“ nicht leise, wie in den Kommentaren gefordert wurde! 
Ich zeige mit meinem Tuch, dass ich hier her gehöre. Dass ich zu Deutschland und nun auch zu Österreich gehöre. Mein Tuch zeigt, dass ich es Deutschland zumute, dass ich an Deutschland glaube, dass Deutschland Vielfalt tragen und lieben lernen kann.

Mein Tuch Auflehnung, Aufstand und Rebellion gegen alle, die wieder zurück in der Geschichte möchten!

Wenn sie doch nur wüssten!

 

 

*Spiegel Online

Das Gift des Nichtstun.

Ohne mich selbst loben zu wollen, (davor fürchte ich mich) kann ich sagen, dass ich seit vielen Jahren ein aktiver Mensch bin. Ich versuche viel zu tun. Bin in Vereinen, Organisationen etc. aktiv und versuche mich so gut es geht für das Gute einzusetzen. Seien es kleine Dinge, die keiner sieht wie Stunden lang am Eingang einer Jugendherberge auf den Lieferanten der gespendeten Würstchen zu warten oder sichtbar auf einer Bühne stehen und etwas moderieren oder ähnliches. 

Ich hatte immer ein Gefühl der Erfüllung in mir, wenn ich was tat, wenn ich was tun konnte. Wenn ich dem Fortschritt der Gemeinschaft und der Gesellschaft etwas beitragen konnte. 

Ich kenne Menschen, die es genießen  Tage lang nichts zu tun. Solche Zeiten gab es bei mir – dem Herrn sei Dank – selten. Doch die letzen zwei Wochen habe ich wegen persönlicher Umstände einen krassen Cut in meinem Leben durchlebt bzw. durchlebe ihn immer noch. 

Von den meisten Aktivitätsmöglichkeiten, die ich hatte und in die ich fest involviert war, bin ich nun örtlich zu weit weg, so dass die Dinge so einfach nicht mehr zu machen sind. Seit zwei Wochen in etwa sitze ich da, in einer Phase meines Lebens, in der Andere möglicherweise Abstand und Ruhe von Menschen und Arbeit genießen würden. 

Ich merke nur, wie ich das „TUN“ vermisse. Wie das „TUN“ mir selbst gut tat, und wie es mir jetzt nicht gut tut, nichts zu tun. Nichtstun fühlt sich für mich wie ein Gift an, dass sich in dich setzt und tatsächlich lähmt. 

All die vielen Zitate großer Denker, all die Worte von großen Menschen meines Herzens, all die Koranverse  über das „TUN“ – jetzt ergeben sie Sinn. Nie, wenn wir etwas tun, tun wir es für andere. Wir tun es immer für uns selbst. Wir tun es, damit wir uns selbst und andere schätzen und respektieren lernen. Wir tun es damit wir ruhig schlafen können. Wir tun es damit unsere Seele das Gefühl von Erfüllung erlangt. Denn der Mensch der „tut“, verändert im Endeffekt die Welt. 

Selten weiß ich nicht, wieso ich einen Text schreibe oder was ich überhaupt damit sagen möchte. Selten ist ein Text so, auf diese Art und Weise persönlich. Ich möchte nur eine Geschichte erzählen, mit dieser abschließen, hoffen und beten, dass auch ich, in naher naher Zukunft wieder etwas zu Tun finde/bekomme/habe, und andere zum aktiven Tun motivieren kann. 

Die Geschichte des Propheten Ayyoub/Hiob kennen sicher viele von uns. Ayyoub a.s. wurde auf eine Art und Weise geprüft, wie vielleicht kein anderer. Irgendwann, richtet er sich an den Herrn, in Mühsal und Leiden erstickend und spricht sein Leiden aus:

„Und erinnere dich an unseren Diener Hiob, (wie es war) als er zu seinem Erhalter rief: „Siehe, Satan hat mich mit völliger Mühsal und Leiden heimgesucht.“ 

Der Prophet ist so am Ende. Im Türkischen wird „Mühsal“ als „bitiş noktası“ beschrieben. Der Punkt, an dem man am Ende angelangt ist. Leiden wird als „Azab“beschrieben. Azab bedeutet „allein-sein, niemanden haben, dass Gott dir den Rücken zugewendet hat“. An diesem Punkt war Ayyoub a.s. angelangt und rief sein Leiden dem Herrn zu. Der Herr antwortet: 

„(und ihm daraufhin geantwortet wurde: „Schlage mit deinem Fuß (auf den Boden): hier ist kühles Wasser zum Waschen und zum Trinken.“ 

Es ist einfach nur krass. Einfach nur viel zu krass. Gott spricht nicht von Mitleid, Gott zieht seine Prüfungen nicht zurück. Gott sagt ihm, er solle aufstehen, sich aus der Situation lösen, auf den Boden schlagen. „Schlag mit deinem Fuß“ – tu etwas, bewege dich, lieg nicht da und bemitleide dich nicht selbst! Wasch dich und trinke Wasser und mach weiter. Kennt ihr diese Menschen, die einem sagen man solle sich das Gesicht waschen und ein Glas Wasser trinken, wenn etwas Schlimmes passiert ist oder man erschöpft ist? Genau das sagt Gott zu Ayyoub. Raff dich auf, lese ich in diesen Zeilen. Raff dich auf und „TU“ etwas! Denn am Ende des Tuns ist Erfolg und Zufriedenheit. 

„Und wir erteilten ihm neue Nachkommenschaft und verdoppelten die Zahl als ein Akt der Gnade von Uns und als eine Erinnerung an alle, die mit Einsicht versehen sind.“

Wenn das Tun uns von der Schlimmsten Lage unseres Lebens befreien kann, wie kann es noch Menschen geben, die das Nichtstun preisen? 

 

Ich wünsche allen Fastenden einen gesegneten Monat mit viel Liebe, Licht, Einsicht und vielen Aktivitäten. Ich wünsche mir, dass das Tun nicht lang auf sich warten lässt, dass ich nicht lange auf mich warten lasse! 

 

Aber Frau und Mann sind doch gleich! Bla, bla!

Warnung: Wutpredigt.

Warum ich mich denn nicht mit wichtigeren Themen befasse, als mit der Rolle der Frau im Islam, fragen sie mich. Weiß nicht, vielleicht weil viel blödes auf der Welt wegen falschen Rollen- und Weltbildern aus geht?

Es ist unglaublich, sie sitzen auf Podien, halten Vorträge, sind Vorzeigemodelle der muslimischen Gesellschaft in Deutschland/Österreich oder gar Europa, reden mir etwas von „Ach nein, wissen Sie, so ist das doch gar nicht. Die Frau ist dem Mann gleich gestellt, wir respektieren und achten jeder unserer Schwestern…“ bla bli blub! 

Ich solle das nicht öffentlich machen, was ich denke, ich solle mir nicht einbilden, eine Revolution starten zu können. Naja, vielleicht bin ich größenwahnsinnig, aber probieren schadet ja nichts! 

Ganz ehrlich „lieber Bruder“, und auch „liebe Schwester“, die dem Bruder bei jedem Wort in den Mund schaut, ob das denn ok ist was sie sagt: mich interessiert es kein bisschen, was ihr auf den Podien erzählt, solange das Gesagte nicht mit den Taten hinter den Türen übereinstimmt. Sich als ach so aufgeklärt und fortschrittlich darstellen, aber nicht damit klar kommen, dass eine „Schwester“ eine andere Meinung vertritt und sich nicht scheut diese offen zu kommunizieren?! 

Was soll ich tun? – gegenüber den Ungerechtigkeiten gegenüber der Frau meine Klappe halten, nur weil die Mehrheit der Menschen, die eine „anerkannte Meinung“  zu Dingen haben und vor allem eine theologische Ausbildung besitzen, die sie dazu befähigt ein Anspruch auf absolute Wahrheit und Richtigkeit zu haben, vor allem diese fast ausschließlich Männer sind, weil die Frau nicht zu Wort kommen SOLL, diese soll ich einfach weiter ihr Unwesen treiben lassen?

Was ich mir denn einbilde, den Mädchen zu sagen, sie sollen sich ein Selbstbewusstsein als Frau aufbauen, als Frau, als eigenständige Frau, so wie Gott sie schuf unabhängig vom Mann. Was ich mir denn denke, denn Mädchen ein falsches Bild von Mann-Frau-Beziehungen zu vermitteln?

Lieber Bruder, gestern hast du noch gesagt, dass du doch so auf Gleichberechtigung aus bist, dass du sogar den Müll runter bringst, obwohl du es nicht möchtest.

Und genau das mein Lieber, ist der springende Punkt. Es geht weder um den Müll, noch um den Abwasch, noch ums Geld und weder um die Zeit für die Kinder!

Primär geht es um dein Bild in deinem Kopf und deinem Herzen. Sind diese Bilder mit dem quranischen Bild vereinbar? Hast du dich selbst mal hingesetzt, und selbst in quranischer Weise versucht Themen zu erarbeiten, oder hast du es bisher nur bevorzugt dir ein paar Vorträge über Frauen(rechte) von Männern rein zu ziehen und hast deine Liberalität darauf aufgebaut?!

Und die Frauen, die das noch akzeptieren, die damit noch einverstanden sind solange er den Müll runter bringt – naja, dann wundert mich nichts mehr! Wenn die Frau nicht aufsteht, ihre Stimme bei Ungerechtigkeit erhebt und sich aktiv ihre Recht sucht, wer denn dann bitte?! Die Männer werden dir ganz sicher nicht einen roten Teppich ausrollen.

Mich nervt diese Falschheit. Entweder ganz oder gar nicht. Entweder Ehrlichkeit oder Stille. Sprich nicht in meinem Namen – ich spreche für mich! Lass mich für mich sprechen – ich brauche keinen Mann dazu!  

Wechselwirkung – Hand verschmutzt Hand. „machtWorte“

Zur Lesung geht es hier entlang: Lesung – Wechselwirkung

Allahu akbar“ schreien sie, welch’ laute Horde mit unreiner Brust! Schatten in ihren Augen, sie stoßen ab mit ihren bärtigen, grimmigen Gesichtern. Sie lüstern nach Macht und dursten nach Blut. Sie schreien „Allahu Akbar“ und missbrauchen den Namen des Liebenden, Geliebten. Erheben sich damit in ihrer Perversität.
Ihre Zungen sprechen mächtige Worte bei Tag und bei Nacht – sie stoßen die Worte aber von sich ab statt diese in ihre Herzen eindringen zu lassen.
Sie rufen „Gott ist groß“, doch sind sich dessen Konsequenz bewusst?!

„Allahu akbar“ schreien sie während sie töten, zerstören, in Brand setzen. Menschen erschrecken, Angst einflößen kleinen weinenden Kindern, das Gute auslöschen, den Frieden zunichte machen.

Hätten sie doch aber auf das erste Wort ihrer Worte gehört – „Iqra – Lies!“ so wäre das was sie tun ihnen selbst zuwider.

Sie erschaffen sich Königreiche und Mächte mit ihren Worten. Machen mit ihren Worten aus Königen Sklaven, aus Sklaven Könige. Bestimmen mit einem Wort über Gut und Böse, über Leben und Tod. Machen aus Menschen das, was sie nie hätten sein sollen. Nie hätten sein können.
So mächtig ist also das Wort, so zerstörerisch!

*

„Wir sind das Volk“ brüllen sie, laut, so dass ihnen die Stimmen zu verschwinden drohen.
Ihre eisblauen Augen stechen in der Dunkelheit hervor, pflanzen sich in die Erinnerungen, in die Herzen kleiner weinender Kinder, die vor „Allahu akbar“ – Schreienden geflüchtet sind, um mit „Wir sind das Volk“ empfangen zu werden?

Hineingetaucht sind ihre patriotischen Geister in Liebe zu Schwein, deutschem Kulturgut und Heimatgefühl! Machen ihre Identität an einem Tier fest, sind nichts weiter, als Mitbürger auch anderer Beheimateter – wollen es aber nicht fühlen!

Sie merken nicht, dass sie mit ihren Worten das Licht am Ende des Tunnels auslöschen, während sie andere dunkle Lichter die seit Jahrzehnten erloschen sind, wieder anzünden zu versuchen.
Mit ihren Worten färben sie Seelen braun, während sie das Kunterbunte zu ersticken versuchen! Wollen eine Alternative für das Land sein, doch mit ihren Worten machen sie krank die gesunden Herzen und gesund die Kranken. Steigen hinauf in die obersten Ebenen der Mächtigen; unter den von Steuergeldern bezahlten Nadelstreifen verstecken sich ihre Springerstiefel!

„Wir sind das Volk“ brüllen sie, missbrauchen unverschämt und in Absolutismus badend den Namen des Volkes! Erheben sich in ihrer Perversität damit. Sie sprechen Worte, mächtige Worte, während sie zerstören, in Brand setzen, Menschen erschrecken, Kinder zum weinen bringen, das Gute und die Hoffnung auf Frieden auslöschen! Hetzen, Hass verbreiten und das Eine spalten!
So mächtig ist also das Wort, so zerstörerisch.

*

Da stehe ich nun, inmitten dieser beiden Seiten. Keiner weiß mehr so recht was richtig und falsch ist. Und ich mittendrin, werde bekämpft, getreten, angefeindet und befremdet von Beiden! Kann kaum eine Zeitung aufschlagen, ohne dass einer der Beiden, am besten im Verbindung miteinander, thematisiert werden. Stehe da während 1000 nachte Zeigefinger gegen mich gestreckt sind!

Sie sagen Ich sei die Ungläubige, nein, ich bin! die Ungläubige, die, die den Ungläubigen in den Arsch kriecht, die Gott für die Demokratie verkauft hat, die, die ihre erotische Stimme selbst vor Männern erhebt, sich ihnen zeigt, sich ihnen vorführt! Ich bin ein ausgepackter Lutschbonbon, an dem sich Sarrazin, Hamed Abdelsamed und Petry gemeinsam, Lippe an Lippe vergnügen, während ich nicht beachte, dass meine Glaubensgeschwister für Gott kämpfen und sterben.
Ich bin die Ungläubige, die ignorante Egoistin, die einen liberalen Islam geschaffen hat, die vom Propheten bekämpft werden würde, wenn er lebte. Ich bin die, die das Tuch trägt, aber keinen Glauben mehr in sich. Die, die sich verkauft hat. Ich bin die, die Gott niemals erreichen wird, die, die in Reue verrecken sollte, die Gottes Vergebung niemals erhalten wird, da mein Gott nun Europa ist!

Auf der anderen Seite bin ich die Kopftuchschlampe, sagen sie, die Putze von Muhammad, die Sexsklavin meines Mannes, die Knechtin meines Vaters, der Boxsack meines Bruders! Die Kanakin, die ewige Kanakin die kein Deutsch spricht, die die niemals einen Abschluss erlangen wird, die, die unterrückt ist, befreit werden muss, die keine eigenen Entscheidungen treffen kann. Ich bin die, die gerade mal gut genug für einen Putzjob ist, aber auch die Sozialschmarotzerin, die von ihren Steuergeldern lebt. Ich bin die Hinterweltlerin, die Zurückgebliebene, die, die das Land ins Verderben stürzt, eine Seuche für jeden Deutschen, ich bin die Pest!

Anhören muss ich mir beides, von beiden Seiten, immer und immer und immer wieder.
Es scheint, als seien sie eins die Beiden, als seien sie das Selbe im Kern, als verfolgten sie die selben Ziele, hätten die selbe Motivation, wären aus dem selben Material gestrickt in ihrem Hass gegen mich, gegen die Mitte, gegen die Leute der Mitte!

Und da stehe ich nun, im Stillen schreiend, in der Schlacht friedenstiftend und im Scheinfrieden kämpfend!

Mein Haupt ist erhoben, immer, denn ich werde mich niemals meinem Glauben, meinen Flügeln der Herkunft, noch mich meinem Deutschsein berauben lassen!

Das Wort also. So mächtig ist also das Wort, so zerstörerisch.

So viel wie es Schlechtes anrichten kann, kann es auch Gutes tun – wenn man es denn zu benutzen weiß, zu formen – wie eine Kunst.

Die Macht liegt also in den Händen der Lauten.
Ist das Schweigen dann wirklich eine Lösung?

*

Nachtrag: Der Text ist für eine Lesung in Karlsruhe entstanden. Dieser wird auch im Sammelband „Farblos – Junge Dichter über Flucht und Migration“ erscheinen. Alle Infos dazu hier: facebook.com/farblospoesie/

Weisheit und Unrecht.

Sie sitzt neben mir und strickt. Sie ist alt und ich liebe sie sehr. Plötzlich, aus dem Nichts atmet sie tief ein und wieder aus. Beim Ausatmen spricht sie „Audhu Billahi mina-Shaitan-nir-Rajeem, Bismillahi RahmaniRahim.“(Ich suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Satan. Mit dem Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen) Ich muss lächeln. 

*

Wenn wir, die Menschen, oder die Muslime eine Sache erforschen, lernen  wollen, dann lesen wir uns Texte von Imamen, Gelehrten oder sonst etwas durch und übernehmen diese. Meist ohne zu hinterfragen. Wie mich das nervt möchte ich nicht näher erläutern. Ich hatte dazu in meinem Text „Mein Hoca hat gesagt…“ genug geschrieben.  Mir geht es heute um etwas anderes. 

Oft schauen wir uns einen Sachverhalt an und versuchen diesen islamisch, also u.a. koranisch zu belegen, zu untermauern – besser; wir suchen irgendetwas, dass uns das gibt wonach uns gerade ist, damit wir raus schreien können bei Kritik: „aber das steht im Koran!“

Ich habe eine Sache gelernt: man muss, wenn man eine Sache begreifen will nach einer Sache streben und sich vor einer fürchten. 

Die erste Sache vor der man sich fürchten sollte ist das Unrecht. Zulm auf arabisch. Zulm bedeutet, dass man eine Sache von dem Platz entreißt, den Gott eigentlich ursprünglich für diese Sache vorhergesehen hatte. 

Die zweite Sache, nach der man streben sollte ist Weisheit. Arabisch Hikma. Hikma bedeutet, etwas an den Platz legen den Gott für eine Sache vorgeschrieben hat. 

Ich mache mir oft Gedanken über Gott. Über Gott und mich. Wirklich über das Wesen und meine Beziehung zu Ihm. Manchmal sitze ich da und rede einfach mit Ihm. Man könnte mich für verrückt erklären. Ich sitze in einem leeren Zimmer und rede, in irgendeinem Gefühlszustand mit „etwas,“ das man weder sehen, hören noch physisch spüren kann. Aber ich kann sagen, dass ich Gott kennengelernt habe. Irgendwie.  Nicht nur durch einen Weg, den Islam, sondern durch Verschiedene. Und mittlerweile kommen wir gut miteinander klar. 

Wenn ich mir bei einer Sache denke, was Er wohl möchte, und diese dann so umsetze, dann hoffe ich, dass ich das „Richtige“ tat und mit Hikma gehandelt habe, bzw. angewendet habe. Ich habe die Sorge Zulm zu begehen, in Zulm zu handeln. 

Mein Streben danach, etwas an dem Platz zu legen, sei es nur eine kleine Tat, den Gott für diese Sache vorgesehen hat erfüllt mich. Wenn diese Sache dann noch diesen Platz erreicht, ja dann kann ich von innerem Frieden sprechen. Denn die Sache die an dem richtigen Platz gelegt wurde, ist dann nur vollkommen und gut. Fühlen wir uns als Menschen nicht etwa unwohl, wenn wir an einem Ort sind, der eigentlich nicht der Richtige für uns ist? Ich schon. Erst wenn ich wieder dort bin, wo ich mich hingehörig fühle geht es mir gut, kann ich gut schlafen. 

Ich frage mich, wie oft wir mit in Hikma und wie oft in Zulm handelt – vor allem wenn es um religiöse Themen geht. Setzen wir die Sachen, Geschehnisse, Personen und und und an die Stellen, und leben sie auf die Art und Weise wie sie Gott vorhergesehen hat? 

Zuflucht vor dem Satan Suchen. Mit dem Namen Gottes alles beginnen ist nicht eine Sache, die man unbewusst „nur“ sprechen sollte. Sie ist eine Bewusstseinsebene, in die man eintauchen muss, damit man mit Weisheit handeln kann und dem Unrecht die Stirn bietet. 

Mögen wir alle dieses tun können. Ich – vor allem ich. 

Mit dem Wunsch, dass das Leben in Hikma gefüllt ist. Zulm weit weg von uns bleibt!

Wir haben ein Männer-Problem!

Ich stehe an der Haltestelle nach dem ich meine warme türkische Suppe getrunken habe, und warte auf meine Bahn Richtung Heim. 

Da steht plötzlich ein Mann vor mir, viel größer und breiter als ich – starrt mich an, als würde er mir den Hals umdrehen wollen, lässt eine kurze Beleidigung fallen, rempelt mich an und läuft weg. 

Naja, denke ich mir – scheiße ist es, aber ich habe schon schlimmeres erlebt. Rege mich kurz darüber auf, und da ist auch schon meine Bahn. 

Ich setze mich an einen Einzelplatz am Fenster, bin in mein Handy vertieft bis ein Blick mich sticht. Er steht schräg gegenüber von mir. Ca 2 Meter weg und schaut mich auf eine so widerliche, ekelhafte und fast schon sabbernde Art an. Kurz davor habe ich mich in der Reflexion des Fensters angeschaut und dachte mir, wie schlimm ich denn heute aussehe. An mir kann es also nicht liegen. 

Ich werfe ihm einen „bösen“ Blick zu, aber das juckt ihn nicht weiter. Er lächelt und starrt weiter. Wirklich, ich meine es ernst – es war Ekel erregend dieses Starren! Das macht er die ganze Fahrt über. Ich schaue nur noch in mein Handy und versuche ihn zu ignorieren. Beim Aussteigen muss ich leider an ihm vorbei laufen, und wer hätte das gedacht: da ist er, der widerliche und extrem sinnfreie Anmachspruch begleitet von einem Tier ähnlichen Grinsen! 

Ich steige aus, schüttel den Ekel von mir ab und will mir Wasser kaufen gehen. An der Kasse hinter einem Mann angestellt, der sich laut mit der Kassiererin unterhält: ‚die Frau hat 7 Kinder, können sie das fassen, 7! Wie kann man heute in dieser Zeit noch 7 Kinder auf die Welt bringen. ich finde, was zur Zeit los ist in unserer Welt ist kaum zu ertragen!‘

Ich bezahle und das Fass ist voll! 

Was denken sich Männer eigentlich?! Was denken sich Rechte Männer, eine Frau zu beleidigen, nur weil sie offensichtlich einer Religion angehört? 

Was denken sich Männer, Frauen anstarren zu dürfen, zu können, ihnen Sprüche hinterher zu rufen, in der Öffentlichkeit oder auch nicht! 

Was erlauben sich Männer Frauen wegen der Anzahl ihrer Kinder verurteilen zu können! Sie hat das Kind 9 Monate im Bauch getragen, sie hat das Kind unter Todesschmerzen auf die Welt gebracht, sie kümmert sich sicher rund um die Uhr um die Kinder – nicht der Mann. Schließlich braucht es nicht viel um biologischer Vater zu werfen! Um Mutter zu werden aber schon! 

Welches Bild haben diese Männer von der Frau? Welches Bild vom Mann? Der Mann als derjenige, der über die Frau urteilen darf – egal aus welchen Motiven heraus? Der, der die Frau gerne als die Unterlegene, geile Person sehen würde, der der einem immer geilen und bereiten Tier ähnelt, der der seinen Genitalbereich nicht unter Kontrolle halten kann? Geschweige denn seine Gedanken?

Welch eine Erziehung haben dies Menschen genossen – gar keine?! Was bilden sie sich ein! Wie respektlos, zurück geblieben und ekelhaft kann man eigentlich sein? 

Ich finde es unmöglich was Männer sich raus nehmen! Unmöglich! Und das ist nicht das Problem der Frauen! Jede/r der meint, es sei die Schuld der Frau wenn Männer sie schlecht behandeln, über sie urteilen oder sie dumm anmachen hat wirklich keine Ahnung von sich selbst und solch Menschen ist das Wort Selbstreflexion sicher auch ein Fremdes! 

Sorry Leute, aber wir haben ein ernstes Männer-Problem das weit über die Grenzen von Religion, Nationalität oder Herkunft geht!