Wenn Flüchtlinge böse werden liegt es an ihrer Religionszugehörigkeit.

Ich lese immer mehr Artikel darüber, dass man gedenkt Flüchtlinge in unterschiedlichen Heimen unterzubringen. Es gibt ein Kriterium für das Trennen der Menschen: die Religionszugehörigkeit. Christliche und muslimische Flüchtlinge sollen in  getrennten Heimen untergebracht werden. Dies sei aus Sicherheitsgründen so angedacht. 

Es ist fast schon lustig, dass die Krisen in den Flüchtlingsheimen jetzt mit der Religionszugehörigkeit der Geflüchteten begründet wird.

Muslime und Christen trennen heißt die Lösung für Probleme in Heimen, die meiner Meinung nach nur minimal mit der Religion zutun haben, wenn überhaupt! 

Ich frage mich wie es mir in den Heimen gehen würde. Dort sind zum Teil hunderte Menschen eingeengt in (z.T.) heruntergekommenen Gebäudekomplexen – alle auf einem Haufen. Alle haben Krieg, Armut und Verfolgung hinter sich gelassen. Ich glaube da wäre ich auch ein bisschen ausfallender, wenn ich so eine Flucht und so ein Leben hinter mir haben würde.
Und das nicht weil ich Muslima oder Christin bin, sondern weil ich traumatisiert bin, keine Perspektive mehr im Leben sehe, mein ganzes Leben verlassen musste mit wahrscheinlich nur einem Rucksack auf dem Rücken, die Umstände in denen ich nun hier lebe (z.T.) unter aller Würde sind, meine Kinder vielleicht traurig und mutlos sind, vielleicht auch körperlich  krank, denn psychische Schäden tragen alle davon. Und vielleicht, ja vielleicht weil ich Angst habe? Existenzangst? Identitätsangst? Angst!
Das Fremde macht ja bekanntlich immer Angst – das wissen wir Deutschen am Besten.
Krisen immer und immer wieder mit religiösen Unverständlichkeiten zu begründen, wie es die Medien in den letzen Tagen leider wieder tun, ist wie Bomben in Kriegsgebiete liefern. Sind wir Deutschen übrigens auch toll darin.

Statt jedes Problem aus der „Religionen, besonders der Islam sind Quelle allen Übels“ – Brille zu sehen, sollte man schauen was die Politik, die eigentlich für die Flüchtlinge die sie aufnehmen verantwortlich sind, tun können. 

Es liegt an ihnen, den Flüchtlingen Unterkünfte bereit zu stellen, die nicht gleich einer Ratten-Zelle sind. Wie soll bitte Frieden herrschen, wenn eine 5-köpfige Familie in einem Zimmer leben soll? Außerdem müsste man den Erwachsenen, vor allem den Männern etwas zu TUN geben! Sie müssen etwas haben, mit dem sie sich beschäftigen können. Arbeit in welcher Form auch immer mit evtl. einer kleiner Entlohnung, damit sie sich wieder fühlen, als würden sie etwas Gutes für ihre Familie tun. Die Frauen in ihrer Sprache unterstützen und die Kinder auch, das wäre das Nächste. Zudem den Kindern außer den ehrenamtlichen Helfern, die meist noch sehr jung sind professionelle psychologische BetreuerInnen zur Seite stellen, die mit ihnen sinnvolle Zeit verbringen, in dem sie evtl. durch Kunst oder Sport das Trauma, das sie hinter sich gelassen haben verarbeiten können. 

All das wäre mini Lösungsvorschläge, die meiner Meinung nach viel viel mehr bringen würden, als nach Religion zu trennen. Diese Menschen haben nichts mehr. Und so fühlen sie sich auch – wie Nichts. Man muss daran arbeiten, ihnen wieder einen Wert zuzumessen und diese in ihrer Entwicklung im neuen Land zu unterstützen. Man muss ihnen zeigen, dass sie auch hier eine Bedeutung haben und Mensch sind – nicht nur „Flüchtlinge“! 

Die Vielfalt mit Ahmet und Hans im Sandkasten.

In meinem Studium haben wir ein Seminar mit dem Titel „Diversity Education“. Man kann es auch Vielfaltspädagogik nennen.

Das Ziel in diesem Seminar ist es, neben Theorie und wichtigen Pädagogen, zu lernen, wie man PädagogInnen, Eltern aber auch Kinder für Vielfalt, Interkulturalität und Fremdheit „sensibilisieren“ kann.

Im Seminar hatte ich nach 3 Vorlesungsstunden, in dem der Prof. den Diversitätsbegriff lang und breit erklärt hatte, einen kleinen Einwand:

Ich frage mich, was denn das wirkliche Ziel von diesen Diversitytrainings und ähnlichen Dingen sind, und wohin das führt bzw. führen soll. Vor allem bei Kindern.

Wenn Ahmed und Hans im Sandkasten miteinander spielen ist es Hans egal, ob Ahmed türkische Wurzeln hat, und Ahmed ist es egal, ob Hans Deutsch ist. Ihnen ist in dem Moment nur wichtig, wer die Schaufel zum Graben bekommt.

Dann kommt die gut für Interkulturalität und Vielfalt ausgebildete Fachkraft, die absolut weiß was sie tut und sagt etwas wie:

Hey, Jungs ich verrate euch jetzt mal was;
Hans, weißt du, der Ahmet ist anders als du. Weil er hat einen türkischen „Migrationshintergrund“. Dies bedeutet, dass er laut Lehrbüchern ein Risikokind ist, und wahrscheinlich auch andere Risikofaktoren wie ein sozial schwaches Umfeld, mehrere Geschwister und vieles mehr auf ihn zutreffen. Das heißt, laut Lehrbüchern dürfte aus ihm eigentlich nicht sehr viel werden. Zudem wird er dich wahrscheinlich machohaft anmachen, wenn du ihm nicht die Schaufel gibst, wenn er sie will.

Ahmet und weißt du, der Hans, der ist Deutsch. Also hat er keinen „Migrationshintergrund“ sowie du. Er braucht also keine besondere Betreuung und Förderung wie du, weil er kein Risikokind ist. Laut Lehrbüchern ist er kein Risikokind und aus ihm dürfte etwas werden.

Aber kein Problem! Unser Pädagogikverständnis ist so toll, dass ich das sofort wieder regeln kann. Ich kann euch nämlich dafür sensibilisieren!

*

Kindern die absolut keine Unterschiedlichkeit in unserem Verständnis aneinander wahrnehmen und dies absolut nicht als Differenz sehen, suggerieren wir im Deckmantel der „Interkulturellen Bildung und Diversity-Pädagogik“, dass sie unterschiedlich und zum Teil „anders“ sind.

Etwas das eigentlich gleich ist, „ENT-gleichen“ wir mit diesem Verhalten, wie es die Soziologie nennt. Man spaltet und trennt um es dann mit Sensibilisierung wieder gleich machen zu können. Beachten aber nicht, dass uns das nie gelingen wird, weil die Spaltung zuvor kam.

Das Ziel von Vielfaltspädagogik sollte es sein, dass es in dieser Form keine Vielfaltspädagogik mehr gibt!
Ich möchte irgendwann in einen Raum treten, und nicht nur als Muslima, oder „hm, wahrscheinlich Araberin? Türkin?“ wahrgenommen werden, sondern als das, als die ich dort anwesend bin. Studentin, Schreiberin, angehende Pädagogin, Jugendarbeiterin und vieles mehr.

Ziel der Diversity Education sollte es sein, dass keine Sensibilisierung mehr nötig ist. Denn sie ist nur nötig, wenn zuvor gespalten worden ist.

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„Komm nur, ja komm nur, wer immer Du bist.“

Ich war schon auf einigen Anti-Pegida-Demonstrationen. Einige Male um zu beobachten, andere Male um mit zu laufen und einmal stand ich sogar da, und habe laut mit gepfiffen und gerufen. Doch jedes Mal, wenn ich den Platz verließ, habe ich mich gefragt, was das denn nun gebracht hat?

Die Pegida demonstriert immer noch, die Anti-Leute ebenso. Und man kommt einfach nicht auf einen Nenner. Oft habe ich mit Mit-Demonstranten darüber diskutiert, was man wirklich machen könnte, um die Gedanken der Gegenseite zu ändern, sie „aufzuklären“. Allein mit „Nazis raus!“ Rufen wird das sicherlich nichts.

Heute Morgen habe ich einen Artikel gelesen, der mir eine Antwort auf meine Frage zu geben scheint.

In Phoenix, USA organisierten einige Menschen eine „Anti-Islam Demo“. Die „Demonstranten“ waren mit T-Shirts bekleidet, die mit beleidigenden und rassistischen Sprüchen bedruckt waren und einige „Demonstranten“ waren sogar bewaffnet.

In der Nähe des Demonstrationsortes befand sich eine Moschee. (Scheinbar haben sie gegen die Moschee demonstriert). Die Reaktion der Moscheebesucher war eine Einmalige. Sie nutzen diese negative Stimmung, um etwas Positives zu tun und luden die Demonstranten in die Moschee ein, um ihre Fragen zum Islam und den Muslimen zu beantworten. Zwei Demonstranten nutzen diese Gelegenheit und berichteten später, dass sie danach ein komplett anderes Bild von der Religion und den Muslimen hätten, dadurch, dass sie das erste Mal in direkten Kontakt getreten sind. Die Moscheebesucher hätten all ihre Fragen beantwortet, und sie hätten erkannt, dass ihr Hass, ihre Angst und ihr Unmut unbegründet seien. Die beleidigenden T-shirts gegenüber den Muslimen würden sie sicherlich nicht wieder tragen, fügten sie noch hinzu.

Seit ich ein Kind bin wird mir die Geschichte erzählt, von einer Begebenheit des Propheten (s) und seinem jüdischen Nachbarn, der ihm immer seinen Müll vor die Tür warf. Der Prophet (s) erhob nie seine Stimme oder warf den Müll zurück. Er entsorgte den Müll jedes Mal. Als eines Tages kein Müll vor seiner Tür lag, fragte er den Sohn des Nachbarn, ob es seinem Vater gut ginge. Der Sohn meinte, sein Vater lege krank im Bett. Daraufhin besuchte der Prophet (s) seinen jüdischen Nachbarn, der zuvor Tage lang Müll vor seine Tür legte, um ihm gute Besserung zu wünschen.

Das ist die Art und Weise, in der Muslime und Menschen mit gutem Charakter handeln sollten, wenn sie Menschen begegnen, die ihnen mit Hass oder Unmut entgegen treten. 

Im Koran heißt es sinngemäß: „Euch euer Glaube, mir mein Glaube.“ (109:6). Oft wird dieser Vers als Abgrenzungslegitimation genommen. Ich sehe aber viel mehr in diesem Vers, nämlich eine Aufforderung zur Toleranz und Akzeptanz jenen gegenüber, die nicht das Selbe glauben (möchten) wie man selbst. Jedem das Seine, wie man so schön sagt.

Der Prophet (s) selbst wird im Koran als „Barmherzigkeit für alle Welten“ (21:107) beschrieben. Wenn der Prophet (s) das Vorbild eines jeden gläubigen Muslims ist, ist dann die Barmherzigkeit und die Liebe nicht eine Pflicht jedes Muslims?

Vielleicht liegt die Antwort auf die Frage des Hasses in der Barmherzigkeit, mit welcher wir Menschen begegnen sollten, die es eventuell nicht besser wissen?!…

Komm nur, ja komm nur, wer immer du bist. Rumi

Fereshta Ludin – Die mit dem Mut.

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Am Pfingstwochenende durfte ich eine Lesung von Fereshta Ludin und Sandra Abed (Co-Autorin) moderieren. Sie haben gemeinsam die Biografie von Fereshta Ludin „Die mit dem Kopftuch“ geschrieben.

Fereshta Ludin zog vor Jahren von Gericht zu Gericht, um sich ihr Recht zu erkämpfen mit dem Tuch als Lehrerin arbeiten zu dürfen.

Das war der Anfang einer jahrelangen, noch bis heute andauernden „Kopftuchdebatte“.

Das Kopftuch ist dadurch keine Sache mehr, die man nur ablehnen kann oder dagegen grob und gar rassistisch vorgeht. Durch Fereshta wurde das Kopftuch zu etwas, wofür es sich lohnt zu kämpfen, wofür es sich lohnt eventuell vor Gericht zu gehen und den Menschen zu zeigen, dass es ein Teil des Selbst ist, ein Teil der Identität.

Als ich Fereshta und Sandra sah, umarmten sie mich herzlich. Ich stellte sie kurz dem Publikum vor, das kaum mehr in den großen Raum passte, und die beiden begannen Fereshtas Geschichte zu erzählen. Sie erzählten von ihrem Leben und unterstrichen dieses mit kurzen Passagen aus ihrem Buch.

Das eigentliche Highlight für mich war aber etwas anderes.

Nach dem ich die Lesung mit ein paar Schlussworten abgeschlossen hatte und wir die Fragerunde hinter uns gebracht hatten, bildete sich eine Schlange zu Fereshta.

Ich stand die ganze Zeit neben ihr, während sich ein Mädchen nach dem anderen bei Fereshta für ihren Mut bedankte und das, was sie für uns Frauen mit Tuch getan hat. Ich sah Mädchen, welche vor Überwältigung weinten und Kraft, Mut und Inspiration aus den Worten Fereshtas schöpften.

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Fereshta und Sandra gaben dem Buch den Titel „Enthüllung der Fereshta Ludin – Die mit dem Kopftuch“, doch für mich ist sie die mit dem Mut! Die Frau, die es gewagt hat zu tun, was alle muslimischen Mädchen denken, wenn sie wegen ihres Tuches diskriminiert werden – für die eigenen Rechte kämpfen!

Fereshta hatte den Mut und die Kraft von einem Gericht in den Nächsten zu ziehen! Ein Mädchen sagte mir nach der Lesung: „Ich würde mich das nicht trauen. Und ich würde es auch nicht schaffen.“ Ich nickte nur, und sagte leise: „Ich glaube ich auch nicht.“

Doch sie hat es sich getraut und sie hat es auch geschafft!

Als das Kopftuchurteil 2015 von Bundesverfassungsgericht korrigiert wurde, fragte ich mich was Fereshta wohl empfindet? Nach so vielen Jahren hatte sie ihr Ziel erreicht.

Als Fereshta dann während der Lesung den Tränen nah war und kurz stocken musste als sie über das Urteil sprach, wusste ich es. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten.

Ich möchte mich bei Fereshta bedanken. Dafür, dass sie für mich die mit dem Mut ist. Mehr als nur die mit dem Kopftuch! Fereshta hat es sich nicht einfach gemacht, wie viele andere auch. Sie ist nicht in die Opfer-Rolle geschlüpft, hat nicht nur ein bisschen geweint und über Deutschland geschimpft, wie schlimm es hier doch sei. Nein, sie hat die Möglichkeiten, die Deutschland ihr bot, genutzt, um für ihre Rechte zu kämpfen. Sie hatte Mut und heute ermutigt und inspiriert sie junge Mädchen, nicht in die Rolle des armen kleinen „Kopftuchmädchens“ zu schlüpfen, sondern etwas zu tun! Etwas zu bewegen!

Ich wünsche mir, dass wir muslimischen Frauen beginnen, aus der Rolle des armen Kopftuchmädchens zu schlüpfen, und etwas aus unseren vielfältigen Talenten zu machen, ohne Angst vor- und ohne Vorurteile zu unserem Gegenüber. Sich in eine Ecke zu verkriechen und alles damit zu entschuldigen, dass uns sowieso niemand mag, ist feige und vor allem nicht wahr.

So sollten wir beginnen uns als das zu sehen und so zu handeln, wie wir möchten, dass andere uns sehen und sich uns gegenüber verhalten.

Fotos: FlorianIXberg

Ich, die Frau, das Sexobjekt.

Gestern sitze ich im Theater. Meine Kommilitonin und ich haben uns bewusst dieses Stück ausgesucht, weil wir ahnten, dass es irgendetwas mit Frauen zu tun haben könnte. Das Stück hieß „Schatten (Eurydike sagt)“

In dem Stück werden verschiedene Aspekte kritisiert. Die „Kaufsucht“ einer Frau um ihr wahres Ich hinter der Kleidung zu verstecken und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Das Verlorensein einer Frau, wenn sie sich von einem Mann trennt. Der Wunsch einer Frau ständig von einem Mann gerettet zu werden. Und, worum es gehen soll: die verschiedenen Shows, Werbungen, Serien etc. in denen die Frau als „Ware“ und „Objekt“ dargestellt wird und man sie entweder für „gut“ oder „schlecht“ abstempelt. 

Angefangen bei den unzähligen Shows die ich nicht aufzählen brauche, in denen Mädchen (zum Teil nicht einmal volljährig) vor eine aus mindestens 3 eingebildeten, oberflächlichen  C-Promis bestehenden Jury zur Show gestellt werden (meist halb nackt)  die dann in  weniger als 3 Minuten am rein körperlichen Zustand des Mädchens entscheiden, ob sie etwas wert ist oder nicht. 

Oder, ein anderes Beispiel: Menschen singen vor einer Jury, die sich dann wenn ihnen die Stimme gefällt umdrehen. Erst einmal steht die Stimme, also das Talent im Vordergrund. Doch nun gibt es diese Formate auch für kleine Kinder, die mit ihren Mini-Körpern und ihrem noch nicht ausgereiften Selbstbewusstsein von Jury Mitgliedern die sie aus unerklärlichen Gründen anhimmeln, abgelehnt werden, weil sie „zu schlecht“ sind. Was macht das mit einem kleinen Kind?

Weiter eine Serie, in der ein Mann die Hauptperson spielt, der jeden Tag eine andere Frau im Bett hat und diese entweder bezahlt oder sie nach dem Sex einfach  raus wirft. Er kennt in der Serie meist nicht einmal die Namen der Frauen mit denen er schläft. Er schläft mit ihnen. Das wars. Eine Ware die er benutzt um seine Triebe zu stillen und dann weg wirft. Zeitgleich gibt es seinen Bruder in der Serie, der was anständiges studiert hat aber nicht so viel Frauen ab bekommt. Dieser wird als Loser dargestellt. Was vermittelt das an unsere Kinder? 

Die Frau ist etwas mit der du machen kannst was du willst, sie dann wegwerfen kannst, sie dich aber trotzdem vergöttern – dann bist du „cool“ und angesagt. Wenn du aber eine Frau ehrst und nicht nur auf den Sex mit ihr aus bist, dann bist du ein „Loser“. 

Wenn man Plakatwände auf den Straßen anschaut, wenn man in der Mittagszeit den TV anmacht und durch klickt, wenn man im Internet eine Werbung sieht. Überall sehen wir Frauen die meist in engen Kleidern oder auch gar nicht bekleidet, ab und an nass, weil das viel erotischer ist rum springen und für eine Sache werben. Wem fällt das heute noch als etwas ungewöhnliches auf? Niemandem. 

Die Frau wird fast immer von der Wirtschaft, Politik und mit der Zeit von der Gesellschaft auf ihren Körper reduziert. Um das mit ihr machen zu können nutzt man Begriffe wie „Feminismus“ oder „Emanzipation“ welche in ihrem Ursprung genau das Gegenteil bewirken wollten – die Frau als Mensch wahrnehmen!- um den BürgerInnen unterbewusst zu vermitteln, dass das okay sei. 

Dann werden Frauen die sich bedecken, sich für einen Mann entscheiden, sich nicht weg schmeißen lassen und die sich aus freiem Willen für oder gegen etwas entscheiden als veraltet und zurückgeblieben betitelt. 

Ist das nicht paradox?!

Wir wollen, dass Frauen als Menschen wahrgenommen werden. Nicht auf ihren Körper, auf ihr Aussehen reduziert werden. Wir wollen, dass Frauen eine Stimme in der Gesellschaft erlangen, doch haben wir kein Problem damit (meist weil es uns gar nicht mehr auffällt) wenn der Frau keine Stimme mehr verliehen wird oder ihr die Stimme entzogen wird, da ihr Körper mehr Geld einbringt als ihre Worte. Wenn die Frau in unserer Gesellschaft, im 21. Jhd. als Sexobjekt und Wegwerfprodukt dargestellt wird wie können wir uns dann als fortschrittliches Land bezeichnen? 

Morgen, Sonntag 08. März ist der Weltfrauentag. Dieser entstand um  den 1. Weltkrieg   um auf die Frauen aufmerksam zu machen und für Gleichberechtigung und Wahlrecht für Frauen einzustehen. 

Ich hoffe, dass wir als Frauen, als Männer und als Gesellschaft kurz innehalten und uns bewusst machen, was mit uns als Mensch getan wird. Sind wir noch immer frei? Waren wir je frei? Denken wir das was wir denken weil wir selbst so empfinden oder weil wir denken, dass es das Richtige ist so zu denken? 

Ich wünsche allen Frauen dieser Welt die sich ihrer Stimme, ihrer Kraft und ihrem Geist bedienen und nicht ihrem Körper um etwas zu bewegen alles Gute und viel Segen  für den Weltfrauentag und immer! Möge uns die Stimme nie versagen, mögen wir auf offene Ohren und offene Herzen stoßen! 

Eine Frau ist der beste Gefährte für Leben.

ChancenUNgleichheit.

Eine Nachricht an die Bildungspolitik(erInnen): Ihr seid sch…lecht!

Da muss man sich mit jungen Jahren, wo man doch sowieso durch die dreckige Gesellschaft soviel zutun hat, ein Semester lang von Amt zu Amt schlagen um ein bisschen Ausbildungsförderung zu bekommen und es klappt einfach nicht!

Da wunder man sich dann, wieso Jugendliche mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien nicht den gleichen Bildungsstand haben, wie Jugendliche ohne.
Ganz einfach: weil ihr mit euren widerlichen Regelungen und ChancenUNgleichheiten die man immer und überall spürt, es diesen Menschen nicht einfach macht, sondern viel schwerer als es sonst schon ist. Und ihr seid ihnen auch keine Hilfe sondern eine Last und eine Erschwernis!
Danke, dass ihr die Schere der ChancenUNgleichheit immer mehr trennt und auseinander reißt. Eure Gesellschaft wird es euch danken!

Unverschämt, dass in solch einer Gesellschaft und in so einem Land noch Leute darüber nachdenken müssen, ihr Studium abzubrechen, weil sie es einfach nicht finanzieren können. Und dann in allem möglichen Shows und Runden so tun als sei man die Spitze des Guten!

Doch lieber steckt man das Geld in Waffen, Kriege, Banken und in die Wirtschaft, statt in die Bildung, die Gesellschaft, Familien und anderen viel wichtigeren Dinge!

Als sei Bildung nur etwas für Reiche?! Wo bleibt die Unterstützung? Wo die Treue zum Grundgesetz? Wo die Einhaltungen der ganzen Versprechen?!

Ich möchte euch nochmal sehr gerne an euer Grundgesetz erinnern. Scheint als wäre es irgendwie in Vergessenheit geraten!

Im Artikel 3 Absatz 3 des deutschen Grundgesetzes heißt es: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Dies sollte ebenso für die soziale Herkunft gelten!

Solidarität mit Familien.

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Es ist eines morgens. Ich sitze wieder total müde in der Vorlesung, pumpe mir meinen Kaffee rein als wäre es Wasser und mache mir nebenbei Notizen über Dinge, die in der Vorlesung vorkommen und ich sie irgendwie, irgendwo für wichtig halte.

Thema dieser Vorlesung ist wie man mehr Zeit für Eltern und Kind(er) schaffen könnte; in unserer Gesellschaft, in der die Wirtschaft und nicht die Familie an oberster Stelle steht.

Es wird uns ein Vorschlag der aktuellen Familienministerin vorgelegt,  welche den Vorschlag machte, dass man Eltern die Möglichkeit einer 32-Stunden-Woche geben sollte welche aber als Vollzeitstelle bezahlt wird. Die 32 Stunden vom Unternehmen, und die restlichen Stunden von Steuergeldern. Ja, von Steuergeldern. (Jetzt atmen wir einmal tiiiiief ein. Und wieder aus. Alles wird gut!)

Der Anlass zu diesem Text ist folgender: 

Eine Kommilitonin meldete sich und hatte einen wunderbaren Einwand gegen den  Vorschlag  unserer Familienministerin:

Es sei doch unfair und absolut nicht gerecht gegenüber Frauen oder allgemein Menschen, die sich gegen ein Kind entscheiden und die aber normale 38/40 – Stunden – Wochen arbeiten müssten und außerdem  dann noch mit ihren Steuergeldern so etwas bezahlen müssten.

Der erste Schock  nach dieser Aussage saß erstmal, wurde dann aber viel schlimmer als die Hälfte der anderen Kommilitoninnen noch zustimmten. Und dann kam noch ein weiterer toller Vorschlag: ‚Kindergartenpflicht einführen ab 3 Jahren!‘ Dann könnten alle wieder schön Vollzeit arbeiten gehen und niemand muss mit seinen Steuergeldern so eine Ungerechtigkeit finanzieren.  

Man sollte sich vielleicht in dieser Sache 3 Dinge klar machen: 

1. Die Personen, seien es nun Mütter oder Väter würden nach diesen 6 Stunden am Tag die sie arbeiten, nicht Heim fahren, ihre Füße hochlegen und Pina Colada trinken. Nein! Sie müssten höchstwahrscheinlich noch den ganzen restlichen Tag und die Nacht  ihren kleinen Kindern hinterher rennen, einen Haushalt schmeißen (der mit Kind schlimmer ist, als ohne) und noch viele andere Dinge mehr. Während man als Person die sich gegen ein Kind entschieden hat (was einem absolut frei steht) dann noch 2 Stunden mehr arbeitet und dann Feierabend hat und nichts mehr großes leisten muss. Die Personen mit Kind haben einen noch viel anstrengenderen Job, für den sie nicht vom Feinsten bezahlt werden, und keine Ruhe und Pause davon haben. 

Natürlich war es ihre eigene Entscheidung. Kinder bringen Verantwortung mit sich, und man muss mit Schwierigkeiten rechnen,  aber wenn man diesen Menschen nicht irgendeine Möglichkeit bietet Familie und Beruf auf irgendeine Weise zu vereinbaren, wer soll denn dann die Kinder für diese Gesellschaft auf die Welt bringen? Soll Deutschland aussterben? Und wer zahlt dann eure Renten?!

Wenn wir schon dabei sind: Übrigens werden dann genau diese Kinder mit ihren Steuergeldern für unser Wohl ein bezahlen! (Nicht, dass sie das dann auch unfair finden – immerhin sind sie ja nicht alt)    

2. Wir zahlen doch so oder so unsere Steuern. Es ist ja nicht so, dass man zu diesen Personen dann vor die Haustür laufen muss und sagt: Hier bitte, hier meine Steuergelder für dich, weil du 8 Stunden in der Woche weniger arbeitest, ’nur‘ weil du Mutter/Vater werden wolltest. Man zahlt seine Steuergelder sowieso. Und für was sie benutzt werden ist dann doch gleich?! Gilt den in einer Gesellschaft nicht das Solidaritätsprinzip? Wenn man nur wüsste, wo unsere Steuergelder alles rein fließen? Straßenbauten? Also ich sehe keine einwandfreien Straßen vor meiner Tür! Sozialhilfen wie z.B. Arbeitslosengeld II? Ist das nicht das, was man bekommt, aber davon eine Familie nicht mal die Miete begleichen kann, und worüber man ein Jahr lang diskutiert ob es um 0,50 € erhöht werden soll? Man sollte mal langsam die Augen auf machen, aus der offensichtlich rosa-roten-Welt in der man aufgewachsen ist austreten, und der Realität und der gesellschaftlichen  und politischen  Lage einen kritischen Blick zu werfen.

3. Kommen wir zur Kindergartenpflicht. Eltern (welche übrigens lt. GG ein Elternrecht haben) sollen dazu gezwungen werden, ihre Kinder mit 3 Jahren an Fremde abzugeben, von denen man nicht 100% weiß, was sie den Kindern ins Herz und ins Hirn pumpen. Kann mir jemand gewährleisten, dass in den Kindergärten meinen Kindern die Philosophie weitergegeben wird, nach der ich lebe und von der ich will, dass auch meine Kinder danach leben? Kann man mir versichern, dass mein Kind von den ErzieherInnen so geliebt und geschätzt und beachtet werden  wird, wie ich es als Elternteil tun würde? Man soll kleine Kinder die sich nicht einmal richtig artikulieren können zwingen, sich von ihren Eltern zu trennen. 8 Stunden am Tag. Damit unsere ach so geliebte Wirtschaft und unsere ach so noch mehr geliebten Politiker zufrieden sind!

 

Meine lieben Mitmenschen. Wir sollten begreifen, dass nicht alles so ist, wie es uns gesagt wird. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen. Deine-Meine Steuergelder? Unfair? Ungerecht?

Man sollte sich mit der Thematik auseinandersetzen und vor allem nachdenken bevor man unkluge Aussagen trifft. Und vielleicht sollte man sich eine etwas kritische Ader zulegen, was Politik und Wirtschaft anbelangt.

Der Vorschlag von Familienministerin Schwesig (SPD) wird leider nicht umgesetzt werden. Wahrscheinlich erschien es der Wirtschaft und den KollegInnen in der Politik  zu sinnvoll.  Und man wäre ja nicht Politiker, wenn man sinnvolle Dinge nicht empört ablehnen würde. 

Mit der Hoffnung, dass wir verstehen, dass es die Schwachen zu unterstützen gilt. Meine Steuergelder könnt ihr haben!

Mit der Hoffnung, dass der Satz „Kinder sind unsere Zukunft!“ wahrgenommen, verstanden und verinnerlicht wird. 

Ein Text an den Mann. Und die Frau. Und die Welt.

„Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte sind nicht wahr.“  – Laotse

Eine Sache die ich länger beobachtet habe, und durch einen Tropfen, in Form einer Aussage, dieser Text entstand.

(Warnung:  Dieser Text wurde in einem Zustand der Aufruhr geschrieben, und beinhaltet deshalb viel von der speziellen Esim-Art des Sarkasmus, Ironie, harte Herangehensweise und eine scharfe Zunge.)  

 

Es gibt nichts armseligeres als einen Mann, welcher sich vor der Überlegenheit der Frau fürchtet. Nichts Dümmeres, als die Aussagen, dieser Art von Menschen. Natürlich würden sie das niemals zugeben, da in ihren Augen, eine Frau schon von Natur aus niemals einem Mann, in keinerlei Hinsicht, überlegen sein kann. Das ist  für sie ein Naturgesetz, welches nicht anzuzweifeln und nicht zu ändern ist.

Aber man sollte sich vielleicht eines mal vergegenwärtigen: euer Leben kommt von Gott, doch die Geburt von eurer Mutter (eine Frau!). Das „Etwas“, das ihr so sehr hasst, und gegen das ihr (für mich unverständlicherweise) so krass ankämpft, ist unter vielen anderen   jemand, der euch  auf die Welt gebracht hat. Die euch 9 Monate lang im Bauch getragen hat, Stunden lang Schmerzen gelitten hat, bis ihr da ward, und sich Jahrelang für euch aufgegeben hat.

Natürlich, zu einem Kind gehören immer zwei.

Und seien wir ehrlich: den Part den die Männer (Ja, ich bin Muslima, und ja ich werde jetzt offen darüber reden, in aller Öffentlichkeit) bei dieser Sache übernommen haben ist keine Kunst! Man braucht nicht viel Intelligenz dazu, oder sonst welche besonderen Gaben, wenn es selbst schon 12 Jährige Kinder hier zu Lande hinbekommen. Man kann den Part    des Mannes bei einem Kind, nicht ansatzweise mit dem Part der Frau vergleichen. 9 Monate und 9 Minuten sind ein riesen Unterschied!  Sollte man vielleicht mal darüber nachdenken! 

Männer, die alles einsetzen; ihren Körper, ihren Status, ihren Einfluss, ihren Geist, ihre Seele, ihr Herz –  einfach alles, nur offensichtlich nicht ihren Verstand und ihr Hirn tätigen solche Aussagen, wie sie mir gestern begegnet ist: 

„Die Aussage, ‚das Paradies liegt unter den Füßen der Mutter.‘ (Prophet Muhammad s.) wurde nur getätigt und so gepusht um die Frau populär zu machen!“ (Selbstverständlich waren es die Frauen in den „modernen Ländern“ welche „emanzipiert sein wollen“ die das getan haben.

Und es kommt noch besser:

„Nur sind die Frauen zu blöd dazu, zu verstehen, dass wenn sie sch*** Frauen sind, die Hölle das Paradies ersetzt.“ (Ja, sowas musste ich mir anhören)

Mein Tipp an Männer, welche solche Aussagen tätigen oder eine  Richtigkeit darin sehen: 

Am besten ihr baut euch einen Bunker. Gaaaaanz tief unter der Erde. Und lebt dort. Für immer. Dann seid ihr für immer und ewig vor „dem Gift der Frau“ in Sicherheit.

Nur kommt dann leider ein Problem auf: eure nicht vorhandene Selbstständigkeit und eure Hilflosigkeit, ohne eben diese Personen, die ihr so hasst.

Denn genau solche Menschen, die solch Aussagen treffen und  sie für gut heißen sind es,  die keinen Schritt machen können ohne die Hilfe ihrer Mutter, Frau, Tochter, Schwester oder wem auch immer. Die bekocht, bewirtet, behaushaltet werden müssen, so dass sie überleben können weil sie selbst zu unterprivilegiert dazu  sind.

Schämt euch, vor eurer Mutter, eurer Frau, eurer Tochter, eurer Klassenkameradin und vor allen anderen (euch überlegeneren) Frauen auf dieser Welt! Ohne sie wärt ihr ziemlich arm dran!  

Und an alle Frauen, die solch Männer unterstützen: am besten ihr geht entweder mit in diesen besagten Bunker,    oder ihr verlasst einfach nie wieder eure Küche. Denn wenn ihr dies tut, dann warten draußen nämlich Frauen wie ich es eine bin auf euch, und das könnte weder euch, noch eurem Mann gefallen.

 

Schlusswort:

Ihr seid es, Menschen die ein solch kranken Gedankengut bei sich tragen und frei auf den Straßen dieser bunten Welt rum laufen, ihr seid es, die meinen gerechten  Herrn, meinen wunderfriedlichsten Glauben, meine Menschlichkeit, mein edles Buch, meinen charaktervollen   Propheten (s.) und all jene, die nicht so denken, in eine widerliche, dunkle und staubige Ecke drängt und einen dunklen Schatten auf uns werft, den wir nicht verdient haben! 

An alle, die mich zu diesen Worten verleitet haben, möget ihr einsichtig sein. Oder was mir noch lieber wäre: möge  die Gerechtigkeit des Jenseits in voller Härte auf euch treffen!

 

Ich bin froh eine Frau zu sein. Es ist ein Privileg eine Frau zu sein. Dessen bin  ich mir sicher. Und ein noch viel größeres Privileg ist es, eine muslimische Frau zu sein!

Ich danke jedem einzelnen Menschen, der sich für die Recht von Menschen , von Frauen im Namen der Gerechtigkeit einsetzt  und eingesetzt hat. Voran meinem geliebten  Propheten Muhammad (Segen und Friede seien auf ihm) der mich auch die Geduld lehrte, die ich aufbringen muss, um an solch Menschen nicht kaputt zu gehen.

      

„Ja gewiß, die Frauen sind die Ebenbürtigen (bzw. die Gegenüber) der Männer. Nur ein edler Mensch behandelt sie gut, nur ein mieser Mensch behandelt sie schlecht.“

„Die vollkommensten im Glauben sind von den Gläubigen die Besten an Charakter und Benehmen, und die Besten von euch sind die, die ihre Frauen am besten behandeln.“ 

„Schätzt eure Töchter nicht gering. Sie sind warmherzig und wertvoll.” 

„Gewiss, muslimische Männer und muslimische Frauen, gläubige Männer und gläubige Frauen, ergebene Männer und ergebene Frauen, wahrhaftige Männer und wahrhaftige Frauen, standhafte Männer und standhafte Frauen, demütige Männer und demütige Frauen, Almosen gebende Männer und Almosen gebende Frauen, fastende Männer und fastende Frauen, Männer, die ihre Scham hüten und Frauen, die (ihre Scham) hüten, und Allahs viel gedenkende Männer und gedenkende Frauen – für (all) sie hat Allah Vergebung und großartigen Lohn bereitet.“ (Quran 33:35)

 

(©esimmasallah)

Meine Herzenssprache.

Vor 3 Tagen hatte ich mir vorgenommen auf Türkisch zu schreiben.

Es war egal was, nur, ich wollte einen Text auf Türkisch verfassen.

Ich setzte mich hin.

Fing an zu schreiben. Wie immer – ohne zu denken, ohne einen Gedanken vorher darauf zu verschwenden. Einfach schreiben. Das, was sich gerade in meinem Kopf, meinem Herz und in meiner Seele befand.

Ich schrieb genau ein Wort. Ein Wort. „Hasret.“ (=Sehnsucht)

Und dann packte mich die Angst.

„Ich kann doch gar kein Türkisch?!“, dachte ich mir. „Klar, mein Papa ist ursprünglich aus der Türkei. Und meine Mama auch. Und ich war schon mal dort. 4 Mal vielleicht? Aber, ich kann doch gar kein Türkisch?!“

Die Herzenssprache, hatte es Esma Abla mal genannt. Türkisch sei ihre Herzenssprache. Ihre Gefühlssprache.

Ich habe so viele Empfindungen, so viele Gedanken. Meine Gedanken sind ab und an auf Türkisch. Aber ich kann es nicht nieder schreiben.

Bin ich etwas viel mehr Deutsch als ich glaubte, und viel mehr weniger Türkisch als meine Umgebung mich wahrnimmt und wahrnehmen will.

Es war nie eine Frage für mich; Ich bin ein Teil dieses Landes. Und ich wusste schon immer: Deutsch ist die Sprache, die ich am besten spreche und türkisch spreche ich eigentlich nur mit meiner Oma. Und manchmal mit meiner Mutter. Aber immer seltener. Und vielleicht auch mit meinem Onkel. Ab und zu. Wenn wir nicht gerade Schwäbisch reden.

Ich lief zu meinem Bücherregal (das eigentlich nur mein Fensterbrett ist, da ich keines besitze und das was ich besitze viel zu klein für all meine Bücher ist) 2 Bücher auf Türkisch. 3 wenn es hochkommt.

Eines über den Mystiker Rumi. Und eines über die Frau des Propheten (s) Hatica r.a. Und… die türkische Übersetzung des Korans.

„Ich fühle mich wie in der 3. Klasse, wenn ich ein türkisches Buch lese..“, dachte ich mir immer, wenn ich eines von Papas Regal raus nahm (welches übrigens Bücher in wirklich fast allen Sprachen der Welt enthält – was will er eigentlich mit all den Büchern, auf all den Sprachen?) Und ich legte es immer wieder hin und widmete  mich meinen deutschen Büchern zu.

Weil ich sie verstand. Und weil ich sie fühlte. Ich musste bisher noch nie ein Wort nachschlagen. Selten musste ich einen Satz mehr als zwei Mal lesen. (Abgesehen von Nietzsche – aber den verstehen auch andere nicht)

Ich war mir nie darüber bewusst. Bis ich vor 3 Tagen einen Text schreiben wollte. Auf Türkisch. Weil meine Mutter ist Türkin. Und mein Vater auch. Eigentlich.

„Meine Herzenssprache ist Türkisch“, sagte mir meine Esma Abla mal während wir zur Mittagspause einen Kaffee tranken.

Ich schwieg damals, und schaute sie fragend an. Nicht, weil ich etwas an ihrer Aussage auszusetzten hatte. Nur dachte ich mir: „Nein, ich glaube meine nicht.“ Aber sicher war ich mir damals nicht.

Ich war mir nie darüber bewusst. Bis ich vor 3 Tagen einen Text schreiben wollte. Auf Türkisch.

Dieser Text ist Deutsch. Weil ich nun weiß: Meine Herzenssprache ist Deutsch.

Dieser Text ist Deutsch. Vielleicht weil ich viel mehr Deutsch bin als ich bisher glaubte, und viel weniger Türkisch, als es die Gesellschaft wahr haben will.

Dieser Text ist Deutsch. Aber vielleicht werde ich irgendwann einen Text auf Türkisch schreiben. Vielleicht…