(Muslimische) Frauen/Männer und das andere Geschlecht.

Muslimische Frauen seien so sehr auf die Aufmerksamkeit eines nicht-muslimischen Mannes aus, weil sie nicht normal mit muslimischen Männern reden könnten, da der Islam sich dagegen ausspreche. 

Zudem hätten muslimische Mädchen nie Kontakt zu anderen Männern/Jungen und fühlten sich bei jeder kleinen Geste von nicht-muslimischen Männern total wertvoll weil sie das sonst nicht kennen. 

Auch sei der normale Lebenslauf einer muslimischen Frau der, dass sie nie Männer richtig kennenlerne, deshalb sehr früh sehr schnell heirate, und dann ganz viele Kinder auf die Welt setze und den ganzen Tag Zuhause sitze. 

Ach und;  nicht-muslimische Männer fühlen sich von muslimischen Frauen die in der virtuellen Öffentlichkeit stehen besonders angezogen, weil sie außer der Putzfrau im Kindergarten auf keine andere treffen mit der sie sich mal unterhalten könnten. 

Das alles habe ich mir heute als junge muslimische Frau, die mit muslimischen und nicht-muslimischen Männern arbeitet, studiert und lebt anhören müssen. 

Ich bin wütend. Schon immer habe ich die paradoxe Beziehung zwischen (musl.) Frauen und (musl.) Männern und umgekehrt und musl. Frauen und nicht-musl. Männern und umgekehrt und nicht-musl. Frauen und musl. Männern kritisiert. Während ich mir bei einer muslimischen Studierenden Sitzung anhören musste, wie einige Frauen und Männer einen getrennten Saal zum Gebet forderten weil – Achtung: Hammer Begründung – sie beim Raus- und reingehen sonst an der Tür auf Männer stoßen könnten, habe ich mich gefragt, was diese Frauen und diese Männer die diese Forderung stellten denn in der Universität, in der Bäckerei, auf der Straße zu suchen haben oder wieso sie dann gemütlich mit Paul/Anna Kaffee trinken, wenn Ahmed/Fatima nicht mal an der Tür stehen darf ?! 

Es stimmt, an einer „gesunden“ Beziehung zwischen den Geschlechtern in der muslimischen Szene muss noch gearbeitet werden. Aber ich sehe, auch durch meine eigene islamische Arbeit wodurch  ich erst richtig gelernt habe wie man „normal“ mit dem anderen muslimischen Geschlecht umgehen kann, dass sich in dieser Sache viel tut. 

Wir sind schon lange aus der Zeit raus in der eine Frau und ein Mann sich nicht anständig kennenlernen können oder sie sich vor Schreck in die Hosen machen wenn sie sich begegnen. Das ist ein Fortschritt! 

Doch frage ich mich, um auf die einleitenden Sätze zurück zu kommen – wie kann man sowas nur denken oder von sich geben?

1. Muslimische Frauen seien so sehr auf die Aufmerksamkeit eines nicht-muslimischen Mannes aus, weil sie nicht normal mit muslimischen Männern reden könnten, da der Islam sich dagegen ausspreche. 

Der Islam spricht sich dagegen aus, dass Mann und Frau sich richtig kennenlernen? Im Gegenteil. In vielen Vorträgen war ich anwesend von vielerlei anerkannten Imamen u.ä. in denen es um das Thema der Ehe und der Partnerfindung ging. Ich erinnere mich wie eine einflussreiche trk. Autorin bei einer Rede die Eltern ausdrücklich gebeten hatte den  Kindern beim Kennenlernen Zeit zu geben, damit sie sich gut kennenlernen können und so ihre Entscheidungen ohne spätere böse Überraschungen treffen können. 

2. Zudem hätten muslimische Mädchen nie Kontakt zu anderen Männern/Jungen und fühlten sich bei jeder kleinen Geste von nicht-muslimischen Männern total wertvoll weil sie das sonst nicht kennen.

Ich frage mich in welch‘ einer Welt diejenige lebte, die das aussprach. Überall (!) in unserem Alltag begegnen wir dem anderen Geschlecht. Immer und jeder Zeit, wenn wir uns nicht gerade like einer demütigen muslimischen Frau im Zimmer verkrochen haben, (Achtung Ironie/Sarkasmus) reden, handeln, interagieren und kommunizieren wir mit dem anderen Geschlecht. Sei es unser Nachbar den wir begrüßen, unser Kommilitione mit dem wir über Studieninhalte sprechen oder einfach der Bäcker, der uns unser Brot backt. Und was sagt diese Aussage eigentlich über den muslimischen Mann aus? Dass er ein Neandertaler ist, der der Frau nicht den nötigen Respekt und kleine Gesten (wie zum Bsp. die Tür auf halten) entgegen bringen kann, so dass muslimische Frauen bei jeder kleinen Geste eines anderen Mannes von allen Wolken fallen weil sie das nicht kennen? In Anbetracht dessen, dass der Prophet Muhammad (s*) das Vorbild jedes muslimischen Mannes (und der Frau) ist, kann das gar nicht stimmen. Denn wenn man sich etwas mit dem Wesen von Ihm auseinander gesetzt hat merkt man, welch‘ ein höflicher, zuvorkommender, ja gar romantischer Mensch der Prophet (s) war.

3. Auch sei der normale Lebenslauf einer muslimischen Frau der, dass sie nie Männer richtig kennenlerne, deshalb sehr früh sehr schnell heirate, und dann ganz viele Kinder auf die Welt setze und den ganzen Tag Zuhause sitze.  

Wie oben bei Punkt 1. schon erwähnt legen es muslimische Autoritäten und einflussreiche Personen es an die Herzen der Frauen und Männer und der Eltern, den Personen die sich kennenlernen möchten genug Zeit zu geben. Selbstverständlich gibt der Islam dafür einige Richtlinien an. Und selbstverständlich sollte man sich dabei im islamischen Rahmen bewegen – aber genau das ist der Punkt! Der Islam bietet den Männern und Frauen die Möglichkeit! Er gibt ihnen die Möglichkeit sich im islamischen Rahmen normal kennenzulernen ohne Stress!  Der Islam sagt zum Bsp.: trefft euch nicht nur zu Zweit an geschlossenen Orten.  Er sagt nicht: trefft euch nicht, redet nicht, heiratet und seid dann mit eurer Entscheidung todunglücklich! Und der Gedanke allein, dass jede muslimische Frau schnell heiratet und dann gleich 10 Kinder auf die Welt setzt und das Haus nie verlässt, ist, wenn man mal nach draußen schaut, sehr realitätsfern. Die muslimische Frau ist seit 1.400 Jahren die wohl emanzipierteste Frau überhaupt! Davon könnten sich unsere lieben Promi-Feministinnen eine Scheibe abschneiden! Man sollte lernen zwischen Islam und Tradition zu unterscheiden  – auch als Muslim/a. Und wenn eine muslimische Frau Zuhause bleiben möchte, bei ihrer Familie, dann ist das ihre Entscheidung und ihr Recht! 

4. Ach und;  nicht-muslimische Männer fühlen sich von muslimischen Frauen die in der virtuellen Öffentlichkeit stehen besonders angezogen, weil sie außer der Putzfrau im Kindergarten auf keine andere treffen. 

Ja, sicher, zu einer Zeit in der die Zahl der  muslimischen Studierenden immer mehr steigt, in der immer mehr muslimische Frauen Karriere machen, in der immer mehr muslimische Frauen bedeutungsvolle  Stellungen in der islamischen Arbeit  einnehmen, begegnet der nicht-muslimische Mann der Frau nur in Kindergarten wenn sie putzt. Sicher! Nicht etwa in der Arbeit, in der Uni, im Supermarkt, in der Krabbelgruppe, beim interkulturellen Dialog, sondern beim Putzen in irgendeiner Firma. Ja, ja, so ist das sicher. 

Frauen, muslimische Frauen stehen immer mehr in der Öffentlichkeit, sie zeigen sich, sie zeigen was sie sind, was sie sein können und was sie sein werden. Muslimische Frauen waren nie das was über sie gesagt wurde und sind heute erst recht nicht mehr das, was über sie gesagt wird. Allein wenn man sich zwei muslimische Frauen aus dem Anfängen der islamischen Zeit anschaut, eine von ihnen mein ganz besonderes Vorbild: Khadischa r.a.*, die erste Frau des Propheten Muhammad (s). Sie war eine erfolgreiche Kauffrau, sie war eine Karrierefrau! Sie war eine treue Ehefrau. Sie war stark, intelligent und hielt immer die Stellung. Und die Andere: Aisha r.a., eine der späteren Frauen des Propheten (s), sie war Ansprechpartnerin in Medina für juristische Angelegenheiten und ist eine der größten Gelehrtinnen.

Und heute: die ganzen Mädchen, Frauen in der Universität, die Frauen in hohen Positionen und die Frauen die geduldig Kinder erziehen und bilden  – wird ihnen mit solchen Aussagen kein Unrecht getan? 

Und nochmal sage ich: Die muslimische Frau ist seit 1.400 Jahren die wohl emanzipierteste Frau überhaupt! Davon könnten sich unsere lieben Promi-Feministinnen eine Scheibe abschneiden!

*(s)= Abkürzung für „sallallahu aleyhi wa sallahm“ = Allahs Frieden und Segen auf Ihn.  *r.a. = Abkürzung für „radiAllahu anhu“ = Möge Allah mit ihm/ihr zufrieden sein.
Nachtrag: Dieser Text ist (wie vieler meiner Texte) in einem frisch-emotionalen  Zustand entstanden. Niemand möchte sich bitte durch die Worte persönlich angegriffen fühlen. Es sind Gedanken und Problematiken die ich beobachte und in Schrift fassen wollte, um auch andere Menschen darauf aufmerksam zumachen.

5 Gedanken zu „(Muslimische) Frauen/Männer und das andere Geschlecht.“

      1. Der Text ist wirklich sehr gut, Gerade auch in seiner Emotionalität.

        Wenn immer und immer wieder eine sogenannte Sachlichkeit eingefordert wird, sollte man sich m.E. davon nicht beeinflussen lassen, weil es oft nur die sehr schwache Position desen verkörpert, der genau so spricht. Nein, der heutige Diskurs sollte ganz genau und gerade emotionaler werden, damit er eben nicht mehr so einfach planiert werden kann. 🙂

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