Vom Lästern & rohem Fleisch.

Jeder kennt es: man hört, dass was über einen geredet wird. Man weiß, dass es absolut nicht der Wahrheit entspricht, und wenn doch, dann ist es einem unangenehm.
Jeder kennt es, es macht Spaß hier und da mal über jemanden zu reden den man nicht besonders mag. Das tut gut. Man findet Bestätigung bei anderen.
Jeder kennt es, dann wird dir erzählt, was deine nächsten über dich so reden. Welch Lügen sie verbreiten. Und du immer geschwiegen hast um ihre Fehler zu verdecken und dir nur denkst – warum?

Die Frage stelle ich mir heute mehr als an anderen Tagen. Wieso reden Menschen über andere Menschen. Wieso ist das Lästern, das Vorwerfen (auf trk. Iftira) einer schlechten Sache die eigentlich nicht stimmt so in den Menschen verankert. Und mir fällt mit der Zeit auf, dass es falsch ist diese Angewohnheiten nur auf bestimmte Menschen zu schieben. Jeder tut es. Frau. Mann. Gläubig. Weniger gläubig.

Doch schockt es mir immer wieder mehr, wenn ich gläubige Menschen dabei erwische und noch mehr mich selbst.

Sagt Allah taala im Koran nicht etwa:

„O ihr, die ihr glaubt! Vermeidet häufigen Argwohn; denn mancher Argwohn ist Sünde. Und spioniert nicht und führt keine üble Nachrede übereinander. Würde wohl einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen? Sicher würdet ihr es verabscheuen. So fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist Gnädig, Barmherzig.“ (49:12)

Er spricht davon, dass Argwohn Sünde sein kann! Und er sagt klar und deutlich, dass sich die Menschen nicht gegenseitig spionieren sollen und nicht üble Nachrede übereinander führen sollen. Er vergleicht die üble Nachrede mit dem Essen vom Fleisch seines toten Bruders. Ist das nicht eine widerliche Vorstellung? Wenn wir uns bildlich vorstellen, wie wir vom toten Fleisch unseres Bruders, unserer Schwester essen ? Wem kommt es da nicht hoch?

Muhammad Rassoul schreibt  in seinem Tafsir unter anderem dazu:

„Argwohn, Spionieren und üble Nachrede gehören zusammen als Faktor, der unvermeidlich die Brüderlichkeit unter den Gläubigen zerstört und das friedliche Zusammenleben unter ihnen beeinträchtigt.“ (M0hammed Ibn Ahmad Ibn Rassoul 2008) {Hervorhebungen durch mich}

Hieraus kann man eindeutig die Folgen solcher Dinge raus lesen.

Auf die Frage was denn üble Nachrede ist, gibt es eine Überlieferung:

Der Gesandte Allahs (saw*) erklärte Folgendes: ,,Wisst ihr was üble Nachrede ist? Wenn jemand über einen seiner Glaubensgeschwister etwas sagt, das ihm nicht gefallen würde.” (Abu Dawud)

So sollte man bei jedem Wort welches man über einen anderen Menschen sagt abwägen was die Person darüber denken würde, dass man es sagt. Also ist üble Nachrede alles, was man von sich selbst nicht sagen würde und auch nicht möchte, dass es über einen selbst gesagt wird.

Ich frage mich weiterhin – wieso? Wieso reden Menschen soviel über andere Menschen?
Ist es das, dass man sich durch das Schlecht- Reden einiger Personen selbst abheben möchte? Den Rang in der Gesellschaft, in der eigenen kleinen Community erhöhen möchte? Ist es der Neid, von dem der Prophet saw. sinngemäß sagte, dass der Neid den Menschen zerfrisst, sowie das Feuer das Holz zerfrisst? Ist es der Wunsch, die eigenen Fehler nicht begangen zu haben, von diesen abzulenken in dem man auf andere Menschen lenkt?
Wieso lästern Menschen wenn sie wissen, dass es anderen Menschen weh tun wird? Wieso möchten die Menschen, dass man über einen anderen schlecht denkt?

Die Zunge ist solch eine gefährliche Sache.

Abu Huraira (r) überliefert, dass man den Gesandten Allahs (saw) fragte:
”Welche Taten führen den Menschen meistens ins Paradies?”
Er (saw) antwortete: ”Gottesfurcht und gutes Benehmen.”
Man fragte ihn (saw) weiter:
”Und welche Taten führen den Menschen meistens in das Höllenfeuer?”
Daraufhin antwortete er (saw):
”Die mit dem Mund und den Geschlechtsteilen begangenen.”
(At-Tirmidhi)

Die Taten also, die mit dem Mund begangen werden können den Menschen in ewiges Seelenleiden bringen. Ist das nicht erschreckend? Ist das nicht erschreckend in Anbetracht dessen, dass jeder Muslim und jede Muslima mindestens ein Mal den oben aufgeführten Vers gehört hat? Als kleines Kind hatte ich ihn zum ersten Mal von meinen Eltern ans Herz gelegt bekommen. Und ich glaube, ich war nicht das einzige Kind.
„Würde wohl einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen?“ Welch’ eine grausame Vorstellung. Welch’ ein einprägender Vergleich.

Auch in der Bibel ist das sinnlose Reden aufgeführt. Und ebenso wie im Koran wird davon abgeraten.

„Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“ (Bibel: Epheser. 4,29)

„Faules Geschwätz.“ – das trifft es!

Ich wünsche mir, dass wir nicht nur den Glauben (egal welchen) leben um als Gläubige wahrgenommen zu werden, sondern um Gottes Willen. Ich wünsche mir, dass diese Verse und Aussagen sich in die Herzen, die Seelen und die Geister der Menschen tief tief verankern. Und als erstes in meine. Ich wünsche mir, dass die Menschen von ihrem Neid los lassen lernen. Das zerstört nur einen im Inneren selbst und tut anderen auch nicht besonders gut. Ich wünsche mir so sehr, dass wir den Menschen  das wünschen können, was wir uns selbst wünschen. Denn sonst sind wir keine Gläubigen, wie der Prophet saw. es einmal sagte.

(*saw. = Abkürzung für sallalahu aleyhi wasallam – Möge Allahs Segen und Frieden auf Ihm sein.
Beitragsbildquelle: Hamburger Abendblatt)

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