Wahlkampfauftakt auf ServusTV.

Servus TV hat heute (01.Juni) wieder eine Glanzleistung erbracht. Das Problem mit den Muslimen ist dem Fleischhacker ja schon lange bekannt: „Das Problem ist der Islam“ schrieb er deshalb schon vor 10 Jahren (http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/fleischhacker/330211/Leitartikel_Das-Problem-ist-der-Islam). Aber nun holte er den Integrationsexperten HC Strache als Studiogast, um seine eigene These mit ihm zu diskutieren. So hieß die Sendung auch: „Muslime in Österreich – warum scheitert die Integration?“ Bei so einem Titel, dieser Fragestellung und so einer Ausgangsposition ist es natürlich nicht möglich, das Thema in eine konstruktive Richtung zu lenken, denn eigentlich ist die Antwort schon vorgegeben.

Nach dem Servus TV gefühlt alle aktiven MuslimInnen in Österreich für die Sendung anfragte, diese aber absagten, weil man sich so einem Format nicht mehr hingeben und Respekt und Selbstachtung wahren wolle, griffen die Sendungsmacher nach Deutschland.

Der Politikwissenschaftler und Dozent Farid Hafez postete nach seiner Absage auf facebook:

„Ich halte es für höchst problematisch, unter so einem Titel zu diskutieren und hinzunehmen, dass ein Leben von MuslimInnen und restlichen Teilen der Gesellschaft bereits gescheitert sei. Das ist eine nicht bewiesene Behauptung, die für einen HC Strache, der auch an dieser Diskussion teilnimmt, eine ideale Ausgangslage für alle weiteren undifferenzierten Behauptungen bietet. Eine solche Aufmache dient nicht der Versachlichung der Debatte. Vielmehr reproduziert sie eine im rassistischen Diskurs vorhandene Essentialisierung des muslimischen Anderen. Und so etwas unterstütze ich nicht!“ (https://www.facebook.com/farid.hafez?fref=ts {02.Juni.2017}) 

Unter diesem Beitrag kommentierten zahlreiche ebenso angefragte MuslimInnen, die abgesagt haben und schlossen sich diesem Statement an.

Nach dem Servus TV am selben Tag der Sendung noch schnell eine (von all den Dingen ahnungslose) Muslimin in Deutschland anfragte und schnell einfliegen ließ, konnte die ganze Debatte, die einem Wahlkampfauftakt der FPÖ glich, losgehen. 

Heute waren auf der einen Seite, und das sage ich bewusst so, weil die TeilnehmenerInnen gerne über „Wir“ und „Sie“ gesprochen haben, HC Strache, der Historiker und „Islam-Experte“ Heiko Heinisch und Publizistin Birgit Kelle. Auf der anderen Seite waren die Modedesignerin Meriem Lebdiri aus Deutschland und Adnan Dincer aus Vorarlberg.

HC Strache war wie man ihn eben kennt: Bewaffnet mit Schlagwörtern wie „Kinder schützen“, „Salafismus“, „politischer Islam“ und weiteres was von einem Politiker aus seiner Ecke eben erwartet werden kann. Im Sinne einer berechneten „Islamkritik“ wurden alle Register gezogen. Von vergleichen islamischer Länder mit Österreich zum Kopftuch, über radikalisierte Jugendlicher, Predigten in Moscheen bis hin zu zusammenhangslosem Zitieren von Koranversen war alles dabei. Eigentlich mittlerweile sehr vorhersehbar.

Der Historiker und angebliche „Islam-Experte“ Heiko Heinisch wirft mit Zahlen um sich und versucht diese den anderen TeilnehmerInnen verständlich zu machen. Weiter möchte er der Mitdiskutantin Lebdiri erklären, dass weder sie noch er bestimmen könne, was ein Kopftuch bedeute. Frau Kelle wirft sofort ein, dass das die Gesellschaft tue. Im nächsten Satz entscheidet sich Heinisch um und wiederspricht sich, in dem er Lebdiri versichert: das Kopftuch ist ein Symbol des politischen Islam, ob sie wolle oder nicht. In dem Moment in dem Lebdiri versucht zu kommentieren, sprechen Strache, Heinisch und Kelle lautstark gleichzeitig auf sie ein und versuchen sie vom Gegenteil zu überzeugen. Lebdiri gibt auf. Wie arrogant muss man eigentlich sein, wenn man glaubt, einer erwachsenen Frau erklären zu müssen, was ihre selbstgewählte Kleidung bedeutet? Was für ein sexistisches Verhalten eine erwachsene Frau dermaßen zu bevormunden und ihr vorzuschreiben, was sie über ihr Kopftuch denken kann oder nicht?

Kelle, die offenbar an diesem Tag auf ihrem hohen Ross angereist ist, war das Abbild der europäischen, weißen Frau. Die Minderheitsgesellschaft müsse sich nun mal den Entscheidungen der Mehrheitsgesellschaft fügen. Dies nennt sie dann Demokratie. Das war dann auch ihr Lieblingswort an diesem Abend. Ob sie sich mit den Grundrechten in einer Demokratie auseinandergesetzt hat, ist eine Frage, die noch zu klären ist. Kelle möchte entscheiden. Weil sie Europäerin ist und Lebdiri & Dincer und alle für die sie an diesem Abend stehen, keine sind.

Selbst in ihrer Argumentation verteidigt sich Kelle und meint, es sei weder Diskriminierung noch Rassismus, was sie sage oder was sie fordere. Dann diskriminiert sie. Daraus kann man schließen, dass sie entweder rassistisch ist,  oder nicht ganz verstanden hat, was Diskriminierung und Rassismus bedeuten. Für sie sei das nämlich nicht Rassismus oder Angstmache, sondern ein „Standpunkt“ der Mehrheitsgesellschaft. Dass ihr Mitdiskutant Strache aber ständig über Angst spricht, interessiert sie weniger.  

Lebdiri, die Modemacherin aus Deutschland versucht oft, aber leider auch erfolglos das Wort an sich zu nehmen und ihren Standpunkt zu erläutern. Dabei geht sie oft in zwei Wort Dialoge mit Strache ein. Die Momente in dem sie das Wort an sich nimmt, vergibt sie sofort wieder mit der von ihr gestellten, aber bis zum Ende unbeantworteten Frage, wieso sie kein Kopftuch in der Schule tragen könne. Schlussendlich wurde, wie erwartet, die komplette Diskussion auf ihrem Rücken geführt, während Kelle sie um Erlaubnis bittet ihr mal Demokratie erklären zu dürfen, und Strache ihr lächelnd ins Gesicht sagte, dass er nichts gegen sie habe. Das hat nichts an der Situation geändert, dass sie die Quotenmuslima in dieser Runde war, um auch ja nicht vorgeworfen bekommen zu können, man habe der muslimischen Seite nicht das Wort gegeben. Dass die Redaktion im letzten Moment vergeblich nach einer Muslimin suchte, ist daran erkennbar geworden, dass man eine Frau in eine politische Runde setzte, die nicht aus dem politischen Aktivismus in Österreich kommt, sondern aus der Modeszene in Deutschland.

Dincer, der sogenannte „Migrantenpolitiker“ aus Dornbirn, hat seine Redezeit gut genutzt und war fokussiert auf politische Themen. Er ging sinnfreien Versuchen einer theologischen Diskussion, wie von Strache angezettelt, aus dem Weg und versuchte die Lage und die Empfindungen der MuslimInnen in Österreich so gut es geht zu erläutern.

Von Anbeginn an, durch die gezielte Setzung des Titels und mit einem weniger neutralen Moderator wurden MuslimInnen kollektiv in eine Verteidigungshaltung gedrängt und eine echte Debatte und Suche nach Lösungen unmöglich gemacht.  Mein Vorschlag für das nächste Mal wäre eine ausgeglichenere, auf Augenhöhe stattfindende Runde und vielleicht dasThema –Muslime in Österreich, wie gegenseitige Integration gelingt-!  

Frauensolidarität über Grenzen hinweg.

Ich war in den letzen Wochen wieder oft auf Veranstaltungen über Feminismus. Manchmal als Sprecherin, manchmal als Moderatorin, und oft als Zuhörerin. Oft war das Thema auch –Frauensolidarität-.

Ich merke, wie die ganzen Diskurse und Geschehnisse in unseren Ländern auch am Zusammenhalt der Frauen kratzt. Als Kind und Jugendliche meinte meine Familie immer, ich sei eigentlich zu spät auf die Welt gekommen – ich sei eine „60er-Jahre Frau“, durch und durch. Um ehrlich zu sein: ich war immer sehr stolz darauf. Denn das hat mir gezeigt, dass das was ich bin und das was ich sein möchte, von innen auch nach außen strahlt. Ich war oft alleine mit all den Gedanken die ich hatte, alleine mit all dem Kämpfergeist den ich in mir trug, und Gott seis gedankt, immer noch trage. Doch habe ich mit der Zeit Frauen gefunden, die genau so denken, die genau so fühlen. Die jeden Tag den selben Kampf kämpfen wie ich. Und es macht mich glücklich und baut mich auf. 

Sätze wie „Eine Frau die ein Kopftuch trägt, kann keine Frauenrechtlerin/Feministin/Kämpferin sein“, sind mir da nur unverständlich. Mein Geist, meine Seele und teils meine Lebensaufgabe werden mir abgesprochen. Nur weil ich einer bestimmten Religion angehöre. Das lasse ich nicht zu. Das lassen wir nicht zu! 

Ich streite nicht ab, dass die muslimische Community viele Probleme hat. Dass uns viele Herausforderungen entgegen stehen. Das ich mich oft damit beschäftige zeigt allein ein Blick auf all meine Posts. Doch wir dürfen auch nicht abstreiten, dass unsere Gesellschaft, unserer Gesamtgesellschaft, das System in dem wir Leben viele Probleme hat, dass uns auch hier viele Herausforderungen entgegen stehen. Wir müssen reflektieren, uns unserer bewusst sein, und dementsprechend handeln. 

Deshalb war ich motiviert und voller Freude und Licht, als ich bei einer Gruppe von jungen Frauen über Feminismus, Intersektionalität und Diversität sprechen durfte. Ich durfte sprechen als Betroffene. Zu anderen Frauen, mit denen ich mich zusammen tun möchte. Und den Weg gemeinsam gehen möchte. 

Mein Appell an diesem Nachmittag und immer war und wird sein: 
Lassen wir uns nicht von medialen und politischen Diskursen leiten und uns auseinander dividieren. Lassen wir nicht zu, dass zwischen „guten“ und „schlechten“ Frauen* und/oder FeministInnen unterschieden und separiert wird. Stehen wir ZUSAMMEN! Denn nur eine Frau* versteht eine Frau*, und nur eine Frau* hilft der Frau* ihre Rechte zu erlangen und dafür zu kämpfen. Sonst wird sich keiner „erbarmen“. Es ist egal, welche Religion, sexuelle Orientierung, Herkunft oder sonst was eine Frau* hat, für die Sache der Gerechtigkeit müssen wir zusammen stehen!

Foto: Frauenpolitische Kommission Steiermark

Erdogan ist nicht mein Vater!

„Und, sagen Sie mal, was halten Sie eigentlich von Erdogan?“, „Und was denken Sie darüber, was Erdogan so sagt?“

Diese Frage kommt mir bei jeder Gelegenheit, mindestens einmal am Tag, gleich nach der Frage, wieso ich denn ein Kopftuch trage, angehängt entgegen. Auch wenn mir diese Frage nicht gestellt wird, bin ich in sozialen Medien ständig damit konfrontiert. Als ich letztens auf einer Rap(!) Seite die AfD kritisiert habe, haben andere LeserInnen mich darüber augeklärt, dass ich als „Türkin“ doch erst mal Erdogan anschauen sollte. Man spricht mit und anderen in Deutschland und Österreich lebenden Menschen das Recht ab, in unserem Land, also DE und AT partizipieren zu dürfen!

Es wird darüber gestritten, dass türkische PolitikerInnen die türkische Innenpolitik nach Deutschland und Österreich tragen, aber, wenn ich Zeitungsseiten aufschlage oder Diskussionsrunden im TV ansehen möchte, im deutschen TV springt mir Erdogan nur so entgegen.

Ich möchte eine Sache klarstellen: Erdogan ist nicht mein Vater, nicht mein Bruder, nicht mein Mann. Erdogan ist nicht mit mir verwandt oder verschwägert. Wir sind auch keine Blutsgeschwister, ganz romantisch gesehen. Ich hatte noch nie Kontakt mit ihm, ich habe nicht einmal ein Wikipediaartikel über ihn gelesen. Ich interessiere mich einfach nicht für ihn!

Ich muss mir aber jeden Tag etwas über Erdogan anhören, wo ich mich doch null für die türkische Innenpolitik interessiere.

Wieso denn auch? – Ich kann sie nicht aktiv mitgestalten – wieso dann Zeit vergeuden, wo Deutschland und Österreich meine Heimat sind, ich hier wählen und aktiv Partizipation üben kann.

Durch diese ganze Türkei- und Erdogandebatten, werden muslimisch-türkisch-kurdische Menschen, nur noch mehr in die Ecke gedrängt, und dazu gezwungen, sich mit etwas zu beschäftigen, mit dem sie sich nicht beschäftigen würden oder wollen. Und im Gegenzug wird ihnen dann vorgeworfen, dass sie sich damit beschäftigen, sie hätten sich doch zu integrieren. Was ein Paradoxon!

Auf der anderen Seite, werden nicht-türkische Menschen durch die Medien dazu gezwungen, sich dazu eine Meinung zu bilden, im Rahmen ihres Zugangs, also meist dagegen. Es ist eine von außen aufgetragene Debatte – fremdbestimmt.

Ich glaube Politik und Medien müssen endlich verstehen – um Schadensbegrenzung betreiben zu können – dass wenn sie so auf den Zug aufspringen, Menschen mit türkischem Hintergrund Aussagen von Erdogan in Deutschland oder Österreich ausbaden müssen, sie tagtäglich damit beschäftigt sind, und die Türken- und Muslimfeindlichkeit steigt, so auch, dass der Zulauf an Erdogan nur steigen oder zumindest konstant bleiben wird.

Außerdem fällt niemandem auf, dass wir mit all diesen Debatten, wieder Debatten von vor 20 Jahren wieder aufholen, und darüber sprechen, ob wir uns hier wohl fühlen, ob das Land unsere Heimat ist. Integrationsdebatten von vor 20 Jahren, sind heute in Talk-Shows und Podien wieder der Renner. Das muss aufhören! Wir dürfen nicht wieder Schritte zurück machen, wir müssen nach vorne schauen – müssen unsere Zukunft gestalten und nicht, unsere Vergangenheit wieder in die Zukunft packen. Wir haben durch diese Debatten seiner Zeit schon genug Schaden davon getragen, wir können es besser, und so sollten wir es auch tun!

Kritik an die Herrscher.

Es gibt eine Geschichte aus der Zeit des Kalifen Omar r.a. die ich vor langer Zeit einmal hörte. Omar r.a. hat nach Antritt als Kalif irgendwann beschlossen, dass er den Betrag der Brautgabe auf einen bestimmten Höchstbetrag begrenzen wolle.

Die teilte er seinem Volk bei einer Besprechung mit. Kaum hatte er ausgesprochen erhob sich eine Frau aus der Masse, und wies ihn zu Recht. Sie meinte, dass der Kalif nichts begrenzen könne, was Allah für die Frau unbegrenzt und frei gelassen hatte. Es wäre Unrecht was er damit täte. Sie sagte das vor der ganzen Masse. Ich wiederhole, gibt euch das bitte: eine Frau erhebt sich und weist den Kalifen Omar! darauf hin, dass sein Beschluss ein Fehler ist. Und was tut er?

Omar, der dafür bekannt ist, dass er stark, aggressiv, und nicht gerade zum Schmusen ist. Er gibt ihr Recht, und nimmt seinen Beschluss zurück. Die Frau setzt sich sicher und die Sache ist gegessen.

Normalerweise führe ich solche Beispiele an, wenn ich zeigen möchte, dass Frauen sehr wohl ihre Klappe aufmachen dürfen und auch sollen. Doch heute geht es mir um etwas Anderes.

Ich wurde heute darauf aufmerksam gemacht, dass ich als Muslima dazu verpflichtet sei, die Fehler der muslimischen Geschwister zu verstecken.

Ich gebe Recht: Geschwister sollten die Fehler anderer Geschwister verdecken, sie nicht vorführen. Wir wissen, Allah sieht alles, weiß alles und wird jeden einzeln zur Rechenschaft ziehen.

Doch ein Staatsoberhaupt nicht kritisieren zu dürfen, (es ging in diesem Fall nämlich um Politik und Politiker) und nicht auf seine Fehler aufmerksam machen zu dürfen – ich weiß nicht was ich davon halten soll.
Die Beschlüsse die von einem Staatsoberhaupt ausgehen betreffen nicht nur ihn selbst, sie betreffen ein ganzes Volk, betreffen auch andere Menschen, die auf ihr Recht warten(warteten), die ein Recht auf ihr Recht haben!

Sollte man dann nicht wie diese Frau aus der Geschichte auf Fehler und Unrecht aufmerksam machen? Ist das nicht eine, unsere muslimische Pflicht? Und wenn selbst Omar r.a. so cool damit umgehen kann, wieso trauen wir es dann nicht einem Erdogan oder einer Merkel zu mit Kritik umzugehen? Wieso können diese nicht von ihrem hohen Roß runter steigen und akzeptieren, dass sie evtl. eine Fehlentscheidung getroffen haben? Kritisiert man nicht Menschen, von denen man etwas hält? Ist Kritik nicht eigentlich die schönste Form von Anteilnahme und Partizipation, oder ist es doch das blinde Folgen, gut und schön reden aller Sachen?

Kritik gehört dazu – Muslime sind dazu verpflichtet auf Missstände aufmerksam zu machen, mit Hikma, also Weisheit und Recht zu sehen, zu hören und zu handeln und Zulm, also Unrecht entgegenzuwirken und abzuschaffen, egal, woher diese kommt!

Tag der Bildung.

Heute ist Tag der Bildung. Eigentlich muss ich für meine Modulprüfung am Samstag lernen, und wollte nichts schreiben. Hab meine Meinung geändert. Also nur kurz. 

Meine erste Hausarbeit in meinem Pädagogik Studium schrieb ich über: „Die Auswirkung des Migrationshintergrunds auf den Bildungsweg und den Schulabschluss von Kindern mit Migrationshintergrund.“ Heute würde ich es anders benennen, aber wie gesagt, war meine erste Hausarbeit. Da heute der Tag der Bildung ist möchte ich euch nur ein bis zwei Ergebnisse aus der 3. World Vision Kinderstudie vorstellen, die sich unter anderem genau mit diesem Thema beschäftigte. 

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Abbildungsquelle: Word Vision Institut. (Studie 2013) {08.12.2016}

Aus dieser Grafik geht klar hervor, dass Kinder, die zur unteren Bildungsschicht gehören viel weniger ein Abitur anstreben, als Kinder die zur oberen Bildungsschicht gehören. Wenn man sich näher mit der Studie befasst, weiß man, dass viele Familien mit Migrationshintergrund eher zur unteren Bildungsschicht gehören, als zur mittleren oder zur oberen. 

Ein weiteres Ergebnis, nach dem Statischen Bundesamt: Datenreport 2006  besagt, dass Kinder, 

ohne Hauptschulabschluss: 7,4% deutsche Kinder // 18,1% ausländische Kinder,

mit Hauptschulabschluss: 23,5% deutsche Kinder // 40,9% ausländische Kinder,

mit Abitur: 24,3% deutsche Kinder // 8,9% ausländische Kinder sind.  (vgl. World Vision Studie, 2013)

Das sind nur wenige wichtige Zahlen von vielen wichtigen Zahlen die aufzeigen, dass Bildungsgleichheit und Chancengleichheit noch nicht auf dem Niveau sind, wie sie  sein sollten. Doch wir sehen Veränderung, und das macht Mut. Wir sehen aber auch negative Beispiele, wie zum Beispiel, dass ein Kind oder Jugendlicher „mit Mh“ genau weiß, dass es mindestens doppelt so viel leisten muss, als ein „deutsches Kind“ um das Gleiche zu erreichen. Auch das ist ein großes Problem in unserem Bildungssystem. Was ist mit -das- gemeint? Ich rede nicht groß drum herum. Ich meine Rassismus. 

Alles Gute zum Tag der Bildung. Auf dass wir unsere Schwächen abschaffen und unsere Stärken verfestigen. 

Und in diesem Sinne: Liebe Grüße an meine ganzen LehrerInnen, die mich immer fertig gemacht haben, dass ich es sowieso nie schaffen würde, und das schon auf der Hauptschule. Ich habe meinen BA in Pädagogik und mache gerade meinen Master – so viel dazu! Und danke an Jene, die an mich glaubten – ihr seid echt cool!

Nachtrag: Wieso ich den Titel der Hausarbeit, den meine Dozentin damals aber toll fande, heute nicht mehr so nennen würde. Ich glaube nicht dass der Mh eine Auswirkung auf die Schulkarriere hat. Ich glaube, dass es viele verschiedene Faktoren sind, die sich darauf auswirken und die durch gute PädagogInnen und mehr Zeit für eben diese PädagogInnen gut aufgefangen werden könnten. Zudem ist es, vor allem für Betroffene, kein großes Geheimnis mehr, dass Rassismus ein großer Stein in der Bildungskarriere von Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen ist!

Unangebrachte Sensibilität.

Ich bin dafür bekannt, dass ich meine Meinung nicht zurück halte, dass ich kein Problem damit habe, mein Denken laut auszusprechen, auch wenn es dem Gegenüber zuwider ist oder ich genau weiß, dass meine Meinung nicht gleich der Mehrheitsmeinung entspricht. Ich kenne weiter auch viele starke Frauen, die sich u.a. in Frauenrechtlichen und antimuslimischen Rassismus – Szenen bewegen und hier eine starke Stimme haben.

Oft ist mir aufgefallen, dass sobald eine Frau laut ihre Meinung sagt, vor allem wenn es um Rassismus und Diskriminierung geht, die Menschen total erschrocken sind und absolut nicht damit umgehen können, dass Frau ihnen die Meinung geigt, ohne groß darauf zu achten besonders diplomatisch oder blumenhaft freundlich zu sein.

In letzter Zeit beschäftige ich mich mehr auch theoretisch mit dem Thema Rassismus und Diskriminierung, und komme eben deshalb in Kreise und Gespräche, in denen das Thema diskutiert wird. Und immer ist man erschrocken, wenn ich die Meinung geige, immer verlangt man von mir, und auch anderen AktivistInnen eine besondere Art der Sensibilität und der Rücksicht.

Ich verstehe das, ich kann das absolut nachvollziehen, wenn man nicht zusammen geschissen werden möchte und nicht alles an den Kopf geschmissen haben möchte was im Raum steht, doch diese Art von Schutzbedürfnis finde ich absolut unangebracht.

Ich frage mich dann nur, wieso ich das was ich denke, und das was richtig ist (siehe vorherigen Text) zurück halten muss, nur damit sich die Gegenüber Partei nicht angegriffen, verletzt oder vor den Kopf gestoßen fühlt. Wieso muss ich, oder müssen wir, die nicht-Betroffenen mit Samthandschuhen anfassen, wenn es darum geht aufzuklären und aufzuzeigen, welches Ausmaß der Rassismus und die Diskriminierung in Europa angenommen haben.

Haben die vielen vielen viiiiielen Menschen die mir gegenüber rassistisch und diskriminierend gewesen sind, sich auch nur eine Sekunde gefragt: „Tu ich dem Mädchen damit weh?, Verletze ich sie?, Gehe ich zu weit?, Halte ich meine Grenzen ein? Kommt sie damit klar?“ Ich denke nicht. Nur ein einziges Beispiel von vielen: Meine „Bio-Deutsche“ Lehrerin in der 6 Klasse tätigt nach meinem Betreten der Klasse einen Satz in dem die zwei Worte „scheiß Kopftuch“ drin vorkamen. Ich war damals 11 Jahre alt glaube ich. Hat diese Lehrerin sich wohl nur eine Sekunde gefragt, was das mit mir anstellt und anrichtet, wenn sie als Pädagogin, als Vorbildfunktion und als viel ältere Dame so etwas sagt? Ihr war es scheiß egal, das ich nach der Stunde weinend Nachhause gerannt bin. Oder hat sich der Herr der mir auf der Straße versuchte das Tuch runter zu reißen, auch nur eine Sekunde gedacht, dass mich das in meiner Würde verletzen könnte und kann? Nein! Nein! Nein! Nein! Und Nein zu allen anderen Fällen die ich oder andere Menschen die Rassismus erlebt haben! Haben sie nicht. Sie haben sich keine Sekunde gedacht, dass man ja sensibler oder rücksichtsvoller handeln könnte. Sie haben sich keine Sekunde zur Rechenschaft gezogen! 

Wieso soll ich dann genau diesen Menschen gegenüber immer soo sensibel sein? Wenn ich nicht klar sagen kann was Sache ist, wenn ich jedes meiner Worte bedenken und überdenken muss, damit sich auch ja niemand angegriffen fühlt, wie soll ich dann meine aktivistische Arbeit betreiben, die Veränderung hervor rufen soll im besten Falle? Wie soll das bitte gehen? Veränderung ist kein bequemer Prozess. Veränderung ist ein Kampf, Veränderung tut weh und Veränderung braucht Reflexion, Selbstreflexion – und das ist nie einfach in unserer Gesellschaft. 

Ich denke es schadet keinem, aber auch wirklich keiner einzelnen Person mal knall hart aug gezeigt zu bekommen wie unsere Alltagsrealität in verschiedenen Punkten mittlerweile in Deutschland und Österreich aussieht. Und das kann nur ankommen, wenn jeder einmal aus seiner Komfortzone heraus tritt und bereit ist, auch mal einzustecken und selbstkritisch zu sein, sich von seinem hohen Ross runter zu begeben. 

„Was Diskriminierung ist, bestimme ich!“

Wenn Betroffene von Rassismus über ihre Rassismuserfahrungen sprechen, sind die Reaktionen der ZuhörerInnen immer sehr unterschiedlich. Einige sind entsetzt, und können gar nicht glauben, dass das Erzählte wahr ist. Bei diesen denke ich mir oft: lauft ihr blind und taub durch die Welt? Wieso ist das so, frage ich mich. 
Die andere Seite sind die, hm, keine Ahnung ich habe jetzt eine Bezeichnung für diese, aber es sind diejenigen die entweder Entschuldigungen für die Tat suchen oder sie versuchen zu verharmlosen. Oft wollen sie auch erklären, dass das passierte gar kein Rassismus oder keine Diskriminierung gewesen sei, sondern was auch immer was. „Ich meinte es nur gut!“, „Ich habe nur Interesse gezeigt!“, sind Sätze die ich oft höre. 
Und da denke ich mir dann: wer definiert was rassistisch oder/und diskriminierend ist in einer Situation, in einem Moment oder ganz allgemein? Wer bestimmt, ob das Geschehene nun Rassismus oder Diskriminierung war oder nicht.
Die Autorin Birgit Rommelspaccher erklärt das gut, in dem sie zwischen intentionalen und nicht intendierten Rassismus unterscheidet und dies weiter ausführt mit:

Auf der individuellen Ebene bezieht sich der intentionale Rassismus auf eine bewusste Herabsetzung der Anderen, während der nicht intendierte Rassismus auf ungewollte Weise diese Wirkung entfaltet. Das ist für die Beteiligten in der dominanten Position oft schwer zu verstehen, denn ihrer Meinung nach liegt nur dann Diskriminierung vor, wenn sie jemand auch verletzen und herabsetzen wollen. Das heißt für sie ist die Absicht entscheidend. Aber die Folge einer Handlung muss nicht mit ihrer Intention zusammenfallen. So kann auch wohlmeinendes Verhalten diskriminieren, z.B. wenn man eine Person, die vom Aussehen her nicht einem Normdeutschen entspricht, dafür lobt, wie gut sie deutsch spricht. Man glaubt damit positive Anerkennung auszudrücken, tatsächlich aber weist man damit auf den Bruch der Selbstverständlichkeit hin.  {….} ..wenn dieses „Lob“ zurückgewiesen wird, macht sich bei den Mehrheitsangehörigen oft Empörung breit, man habe es doch gut gemeint. Dem Anderen wird gewissermaßen nicht erlaubt, dies als eine Diskriminierung zu empfinden. Was Diskriminierung ist, bestimme ich! Mit diesem Motto wird Anerkennung verweigert. Dem Anderen wird eine eigene Perspektive nicht zugestanden, womit wiederum die geringere Bedeutung des Anderen unterstrichen, also seine geringere symbolische Macht bestätigt wird.“ (Rommelspaccher (2009), S. 31/32 {Hervorhebungen durch mich})

Somit ist also das Empfinden der oder des Betroffenen richtiger und anzunehmender als desjenigen, der/die meint er/sie hätte die Deutungshoheit darüber – aber sie eben nicht hat! Das drumherum Reden und eine „Ausrede“ suchen bringt in dem Zusammenhang nicht viel. Die Person, die darauf aufmerksam gemacht wird, dass das Gesagte oder Getane rassistisch oder diskriminierend war, oder so empfunden wurde,  sollte einfach versuchen zurück zu stecken, und einmal zu akzeptieren, dass die Meinung des Selbst nicht die Wichtigste und die Bedeutenste ist, sondern, dass Betroffene darüber entscheiden ob sie nun rassistisch oder diskriminierend behandelt wurden, ob sie ausgegrenzt wurden, egal wie es gemeint war. Die Absicht hinter der Tat tut wenig zur Sache, wenn sie beim Gegenüber schaden anrichtet! 

Die Grenzen meiner Sprache.

Ich erinnere mich zurück: als ich 5 war und noch in den Kindergarten ging, gab es eine, Abend im Halbjahr einen Elternsprechtag. Nach dem Abend sind meine Eltern immer zu mir und zu meinen Geschwistern gekommen und haben so erzählt, was die ErzieherInnen denn so gesagt haben. Auch als Kinder haben meine Eltern mich und meine Geschwister auch in solchen Angelegenheiten sehr ernst genommen.

Meine Mutter sagte: „Esim, Frau Schneider meinte, dass du eines der besten Kinder in Sache Sprache bist! Dein Deutsch sei wirklich sehr gut. Aber die Erzieherinnen haben uns empfohlen auch Zuhause nur Deutsch mit euch zu sprechen.“ Ich habe als Kind mit Migrationshintergrund die beste Sprache in der Gruppe damals, dennoch war die Empfehlung der Erzieherinnen an meine Mutter, sie solle nur noch Deutsch mit uns sprechen? Obwohl meine Mutter nur mäßig Deutsch gesprochen hatte damals. Heute, selbst als Pädagogin kann ich sagen, wie dumm diese Empfehlung und vor allem wie kontraproduktiv für die Sprachentwicklung sie war. Doch darüber könnte ich einen extra Text zu schreiben. 

Dennoch, noch heute ist in der Pädagogik, aber auch und vor allem in der Politik die Sprache ein oft diskutiertes Thema und ebenso meiner Meinung nach eine Methode der Politik und in der Pädagogik. Sprache wird nicht nur genutzt um zu kommunizieren, sondern ist auch ein Mittel der Zugehörigkeit, der Identität und auch der Selbstbestimmung!

Meine Eltern sind kurdischer Abstammung, aber sie haben nie kurdisch mit uns gesprochen. Ich spreche als eine Frau mit kurdischer Herkunft also kein Wort kurdisch. Das war damals einfach so als ich ein Kind war. Man hat halt einfach kein kurdisch gesprochen und wenn dann nur leise und nicht öffentlich. Damals gilt: wenn man selbst in der Türkei, die Heimat vieler Kurden und Kurdinnen nicht kurdisch spricht wieso dann in Deutschland? Man hat Türkisch gesprochen. Und selbst das haben meine Eltern nicht immer mit uns gesprochen.

Ich habe mir heute das Video angeschaut, wie der Sänger Ahmet Kaya aus einer Veranstaltung gejagt wurde, weil er ankündigte in seinem nächsten Album ein kurdisches Lied singen zu wollen und dazu auch ein Video drehen zu wollen. Nach dem er aus dem Saal fast schon fliehen muss, mit Gabeln und Messern beschmissen wurde, wurde danach im ganzen Land gegen ihn gehetzt, so dass er ins Ausland flüchten musste, nach Paris, wo er nach schon einem Jahr an gebrochenem Herzen stirbt, wie man heute über ihn sagt.

Sprache ist immer ein Mittel um zu kommunizieren, auch ein Mittel der Stärke, der Stimme, der Zusammengehörigkeit oder auch Abgrenzung.

Ich frage mich, was haben die Menschen davon, was die PolitikerInnen, was die PädagogInnen, wenn ein Kurde in der Türkei kein kurdisch sprechen soll, wenn ich in Deutschland nicht türkisch sprechen soll, wo doch sowohl Ahmet Kayas Türkisch als auch mein Deutsch perfekt war und ist?

Abgrenzung geschieht doch oft durch kleine Dinge die nicht im Vordergrund stehen. Auf die niemand achtet, wenn er oder sie nicht selbst davon betroffen ist.
Abgrenzung und auch Unterdrückung geschieht dadurch, dass man Menschen ihre Sprache verbietet und somit die Stimme, ihre Stimme, ihre Identität und weitere Zugehörigkeit(en) verweigert und abspricht!

„Dilimin sınırları, dünyamın sınırlarıdır.“* hat Wittgenstein einmal gesagt. So ist jedes Verbot oder jede Eingrenzung doch auch eine Einengung im Leben, im Werden und im Sein und eine Beschränkung des Horizontes, der Welt in der man lebt und leben möchte.

*„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ -Ludwig
Wittgenstein (1918)

Ein weiterer Text zu dieser Thematik von mir: Warum spreche ich nicht cok gut Türkce?

Kältebus/Kältetelefon. Hilf Menschen um dich herum!

Vor einigen Tagen wollten mein Mann und ich Freunde am Abend besuchen. Seit Tagen ist es in Wien eiskalt.
Als wir aus der Bahn ausgestiegen sind haben wir eine Frau gesehen, die auf der Bank an der Haltestelle eingewickelt in Decken schlief. Einige Tage davor habe ich vom „Kältetelefon“ der Caritas Wien gelesen. Als mein Mann und ich noch darüber sprachen ob wir direkt dort anrufen sollten oder die Frau erst einmal ansprechen sollten kam schon die nächste Bahn. Der Fahrer der Bahn stieg aus und ging direkt zur Frau. Er redete auf sie ein, doch sie reagierte kaum – sie wollte keine Hilfe. Der Fahrer fragte sie, ob er ihr helfen könne, sie irgendwo hin bringen oder jemanden anrufen solle. Als wir ihn fragten, ob wir das Kältetelefon anrufen sollen meinte er: „Ja bitte, sie liegt hier schon seit 4 Stunden. Und ich kennen keine Stelle oder etwas wo ich anrufen könnte.“ Er war unglaublich dankbar, dass wir etwas kannten, wohin wir uns wenden konnten. Er verabschiedete sich dann mit dem Friedensgruß. Wir riefen das Telefon an, die Sozialarbeiterin meinte sie schickt jemanden vorbei. Die Frau hatte das gehört und packte leider ihre Sachen zusammen und ging. Die Sozialarbeiterin meinte aber, das sei normal, sie würde wieder kommen, und bedankte sich.

Also, wenn ihr jemanden auf der Straße seht, die oder der keinen Platz zu schlafen hat, egal ob in Wien oder irgendwo in Deutschland:
seit dem 1.11. bis März laufen verschiedene Aktionen wie das Kältetelefon in Österreich oder in Deutschland der Kältebus. Ruft dort an. Ihr müsst nicht mehr tun. Ihr müsst nicht dort warten oder selbst anpacken wenn ihr nicht möchtet – nur anrufen!

Die Nummer des Kältetelefon in Wien ist die: 0043 1-480 45 53
Die Nummer für den Kältebus in Berlin ist die: 0049 178 523 58-38
Für alle anderen Stände braucht ihr nur 30 Sekunden auf Google suchen und ihr habt die Nummer die ihr braucht. 

Es gibt neben dem Kältetelefon und dem Kältebus auch andere Initiativen wie Anlaufstellen, wo diese Menschen übernachten können oder ähnliche Aktionen. Informiert euch einfach, was es in eurer Stadt gibt, speichert die Nummer der Anlaufstelle ab und übersieht Menschen nicht, die keine Heizung und kein warmes zu Hause haben, so wie wir, Gott sei Dank, eines haben. 🙂